Klassentreffen - Bericht über das neunte Blindenreporterseminar

31.01.2016 13:38

Im Jahr 1999 wurde bei Bayer 04 Leverkusen die erste Blindentribüne installiert. Bald darauf wurden andere Vereine aufmerksam, so dass die Bundesliga jetzt flächendeckend ausgerüstet ist. Zu der Anfangszeit mussten die Reporter autodidaktisch vorgehen. Broder-Jürgen Trede, Dozent bei der Universität Hamburg, etablierte im Jahr 2005 einen Studienabschnitt „Blindenreportage“. Im Jahr 2007 fand das erste Seminar für Blindenreporter, ausgerichtet vom „Fanclub Sehhunde – Fußballfanclub für Blinde und Sehbehinderte e. V.“, in Köln statt. Der DFL war schnell bewußt, dass diese Tätigkeit eine weitere professionelle Leitung braucht und nahm sich der Durchführung der folgenden Seminare an.

Vom 16.01.2016 bis 17.01.2016 fand das neunte Seminar unter Beteiligung von sage und schreibe 83 Teilnehmern (Blindenreportern, Behindertenfanbeauftragten und Nutzer), insgesamt 26 Vereine, in der Sportschule Kaiserau statt. Die Leitung übernahmen Arne Stratmann, DFL, und Björn Naß, Leiter des Zentrums für Sehbehinderten- und Blindenreportage (ZSBr) der Awo.

Zunächst gab es das übliche warm up, Vorstellung des Programms und Absprachen in den Regionalgruppen „Norden“, „Westen“, „Südwesten“ „Osten“ und „Süden“.

Anschließend wurden in 3 Workshops die Themen Sprechen im Team Standardsituationen und Playstation (Reportageübungen am virtuellen Fußballspiel)behandelt.

Hierzu wurden 3 Gruppen bestehend aus Reportern und Nutzern (blinde und sehbehinderte Fußballfans, die regelmäßig ins Stadion gehen) gebildet, so dass jeder zu seinem Recht kam.

In allen 3 Gruppen wurde konstruktiv gearbeitet, so dass die Teilnehmer zufrieden die jeweilige Arbeitssituation überdenken konnten.

Die Sensibilisierungseinheit, bei der die Reporter mit Dunkelbrille neben unterschiedlichen Disziplinen wie Laufen, Ball zurollen etc. auch die Blindensportart „Show-Down““ ausüben konnten, machte den Ausklang dieses arbeitsreichen, aber informativen Tages.
Broda-Jürgen Trede erinnerte an den Ausbau der Seite www.barrierefrei-ins-stadion.de durch sogenannte Audiovisitenkarten. Mit diesen sollen sich die Stadien mit ihren Blindenplätzen und –reportern vorstellen und z.B. auch Informationen über den Kauf der Tickets, den Zugang zum Stadion etc akustisch präsentieren.

Lars Isecke referierte über „Taktik und Statistiken richtig interpretieren“. Im Klartext: Dichtung und Wahrheit unterscheiden.

Manöverkritik und Verabschiedung in eine tolle Rückrunde durfte nicht fehlen.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass mich dieses Seminar an ein Klassentreffen erinnert hat, man begrüßte sich als alte Weggefährten und tauschte allgemeine Informationen aus. Nachts um 2.00 Uhr wurde ich davon in Kenntnis gesetzt, wer 1912 Deutscher Meister war. Eine Bildungslücke, wofür ich mich mit einem nachträglichen Glückwunsch revanchierte. wir diskutierten auf Augenhöhe miteinander und das hat man nicht alle Tage.

Sir Gerhard – Fanclub Sehhunde

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