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Erstes bundesweites Seminar für die Reporter an den Sitzplätzen für blinde und sehbehinderte Besucher in deutschen Fußballstadien

26.11.2007 15:09

Foto: Diskussionsrunde

Vom 17. bis 18.11.2007 veranstaltete der Fanclub Sehhunde; Fußballfanclub für Blinde und Sehbehinderte e.V. in Köln zum ersten Mal ein Seminar, zu dem die in den deutschen Fußballstadien an den Sitzplätzen für Blinde und Sehbehinderte tätigen Reporter eingeladen waren. Finanziert wurde die Tagung durch Fördermittel der Deutschen Behindertenhilfe - Aktion Mensch e. V. und mit großzügiger Unterstützung durch die Deutsche Fußballliga (DFL). Sitzplätze, an denen den blinden und sehbehinderten Stadionbesuchern das Spielgeschehen mittels einer Spezialreportage per Kopfhörer übermittelt wird, werden mittlerweile von 23 Vereinen in 22 Stadien der 1. und 2. Bundesliga sowie der Regionalliga angeboten.

In der Vergangenheit konnte festgestellt werden, dass die Qualität der Spezialreportage von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich war. Dies sollte durch das Seminar in Köln, an dem Reporter von 16 Vereinen teilnahmen, grundlegend geändert werden. Unter der Anleitung von Broder Jürgen Trede vom Institut für Sportjournalistik der Uni Hamburg sollten die Teilnehmer anhand ausgewählter Spielszenen ihre Kenntnisse unter Beweis stellen und durch gezielte Hinweise ihre Fertigkeiten verbessern.

Die Tagung, die nicht zuletzt auf besonderen Wunsch der Reporter durchgeführt wurde, begann am Samstag Mittag mit einem kleinen Imbiss. Dieser gesellige Einstieg bot den Teilnehmern eine erste Möglichkeit, mit einander ins Gespräch zu kommen. Um 13:30 Uhr begann der offizielle Teil mit der Begrüßung und ersten Danksagungen durch den Vorstand des Fanclubs Sehhunde sowie einigen einführenden Worten durch die in Leverkusen tätigen Reporter Christian Kautz und Icham Boutouil, die schon seit dem Jahre 1999 dort im Einsatz sind. Die BayArena war das erste Stadion, in dem Sitzplätze mit Spezialreportage angeboten wurden.

Foto: Reiner Calmund

Mit großer Freude konnten die Veranstalter neben Vertretern von Presse und Rundfunk zu dieser ersten Seminareinheit als prominente Gäste mit Reiner Calmund, ehemals Manager bei Bayer 04 Leverkusen, und Jens Nowotny, der viele Jahre lang bei Bayer 04 Leverkusen und in der Nationalmannschaft spielte, begrüßen. Indes lies es sich Reiner Calmund nicht nehmen, seinerseits ein paar Worte an die Teilnehmer zu richten. Er unterstrich dabei die Wichtigkeit der Sitzplätze für Blinde und Sehbehinderte und würdigte den ehrenamtlichen Einsatz der Reporter in den Stadien.

Zu Beginn der ersten Arbeitseinheit traf als Vertreter der Deutschen Fußballliga (DFL) Herr Thomas Schneider ein, der in Frankfurt als Koordinator für Fanangelegenheiten zuständig ist. Die Arbeit begann mit einem Exkurs in die lateinische Sprache. Herr Trede machte einprägsam deutlich, dass der auch durch den Fanclub Sehhunde geprägte Begriff der Kommentatoren sprachlich nicht korrekt sei. Vielmehr handele es sich bei den in den Stadien tätigen Sprechern in erster Linie um Reporter. Im weiteren Seminarverlauf wurde viel Wert auf die korrekte Anwendung der Begrifflichkeiten gelegt.

Bevor die Frage bearbeitet wurde, in welcher Weise und in welchem zeitlichen Rahmen die Reporter ihre Zuhörer vor dem Anpfiff auf das Spiel vorbereiten, reportierten Hicham Boutouil und Christian Kautz auf Wunsch der Teilnehmer außer Konkurrenz die erste Spielszene des Tages.

Schon im Rahmen dieses ersten Themenblockes zeigte sich, dass der Gesprächs und Mitteilungsbedarf der Reporter unerschöpflich war. So fiel es auch Broder Trede und seinen Assistenten schwer, die Gruppe immer wieder zum Thema zurückzuführen. Es zeigte sich, dass die Arbeitssituation in den Stadien sehr unterschiedlich ist, so dass zum "Aufwärmprogramm" vor dem Spiel keine Richtlinien festgelegt werden konnten, die für alle gelten.

Am Ende dieser Einheit ergriff Herr Schneider (DFL) das Wort. Er zeigte sich sehr beeindruckt vom Engagement der Reporter und sagte zu, ihren Gesprächs- und Schulungsbedarf in Frankfurt bekannt zu machen. Er werde versuchen, dafür Sorge zu tragen, dass die Weiterbildung der Reporter in Zusammenarbeit mit dem Fanclub Sehhunde zukünftig weiter unterstützt würde.

Foto: Christoph Daum, Regina Hillmann und Nina Schweppe

Sowohl Herr Schneider als auch die Teilnehmer wurden zu Beginn der zweiten Seminareinheit durch das Eintreffen von Christoph Daum, zur Zeit Trainer des 1. FC Köln, überrascht, der in seiner Ansprache einen weiten Bogen von seiner Unterstützung für den Fanclub Sehhunde über seinen Zugang zum Thema Blindheit über die Ausstellung "Dialog im Dunkeln" in Hamburg, zur Wertschätzung für die besondere und wichtige Aufgabe, die die Reporter an den Sitzplätzen für Blinde und Sehbehinderte verrichteten, schlug. Er zeichnete das Bild eines großen Ganzen, in dem die Reporter, der Fanclub Sehhunde und er selbst vereinigt seien.

In den nun folgenden 90 Minuten befassten sich die Reporter zunächst mit einer schwer zu beschreibenden Spielszene, die dadurch geprägt war, dass nichts Relevantes geschah. Sie wurde von zwei Teilnehmern reportiert. Das Plenum hatte anschließend die Aufgabe, die Leistung der Redner zu beurteilen und ggf. Verbesserungsvorschläge zu machen.

Foto: Tafel mit der Skizze eines Spielfelds. Gekennzeichnet sind verschiedene Positionen wie halblinks oder halbrechts

Nachfolgend wurde der Umgang mit spielfeldbezogenen Ortsangaben geübt. Herr Trede unterstützte die Teilnehmer dadurch, dass er die Örtlichkeiten auf einem skizzierten Spielfeld einzeichnete, wo durch auch strittige Begrifflichkeiten anschaulich erläutert werden konnten. Hier nutzten die Teilnehmer auch die Möglichkeit, auf den Sachverstand von Christoph Daum zurückzugreifen.

Das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Zypern bot nach einem umfangreichen Buffet erneut die Möglichkeit zum ungezwungenen Erfahrungsaustausch, bevor am kommenden Vormittag die Tagung mit der Reportierung ausgewählter Spielszenen fortgeführt wurde.

Ãœber Freistöße, Eckbälle und Elfmeter arbeiteten sich die Reporter bis zum Torschuss vor und diskutierten in konstruktiver Art und Weise die Reportage der Einzelnen und das grundsätzliche Verhalten in den einzelnen Spielsituationen.

Der letzte Seminarteil konzentrierte sich nach dem Mittagsimbiss auf Themen wie der richtigen Aussprache der Spielernamen, dem Umgang mit statistischen Angaben sowie der Reportage nach dem Abpfiff.

Die Teilnehmer bekundeten einstimmig, dass sie mit der inhaltlichen Ausgestaltung des Seminars und der Leitung durch Broder-Jürgen Trede und seine Assistenten Daniel Campina und Danny Fritz sehr zufrieden waren. Ausnahmslos alle wünschten sich eine Fortführung dieser Seminare. Auch dankten alle den Vorsitzenden des Fanclubs Sehhunde für die Organisation der Veranstaltung und für den Einsatz bezüglich der Sitzplätze mit Spezialreportage. Diese wiederum dankten den Reportern für ihren Einsatz in den Stadien und würdigten noch einmal ganz besonders den zeitlichen Einsatz, der zur Vorbereitung auf die Spiele erbracht werden muss. Auch zeigten sie sich sehr erfreut über die insgesamt sehr gute Qualität der in den Stadien tätigen Reporter.

Abschließend kann zusammengefasst werden, dass die Qualität der Reporter in den Stadien durchweg gut ist. Es konnte festgestellt werden, dass noch eine Menge Gesprächs- und Schulungsbedarf vorhanden ist. Zunächst sollen die aus der Sicht der Teilnehmer wichtigsten Eckpunkte zusammengetragen und in einem Kölner Kodex, der zu gegebener Zeit allen Reportern, Vereinen usw. zur Verfügung gestellt werden soll, zusammengefasst werden.

Nina Schweppe, Fanclub Sehhunde

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