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Tätigkeitsbericht Über den Zeitraum Oktober 2004 bis Januar 2007

Vorbemerkung

In diesem Tätigkeitsbericht werden zunächst die für die Arbeit der Sehhunde vorrangigsten Themen aufgeführt und erläutert. Im Anschluss daran sollen die für den Berichtszeitraum {anchor anchor="termine" text="herausragendsten Termine"} betrachtet werden.

Bemühungen um Verbesserungen an laufenden Blindenprojekten

Regina Hillmann mit dem original WM Pokal bei der WM Gala in Lübeck

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass es nicht ausreicht, Kopfhörerplätze in den Stadien zu schaffen und sie dann sich selbst zu überlassen. Es zeigte sich, dass sich durch Routine immer wieder kleinere und größere Fehler einschleichen, die im Interesse der Nutzer behoben werden sollten. Deshalb haben wir immer wieder laufende Projekte aufgesucht und da, wo es möglich war, mit den Zuständigen Mitarbeitern bei den Vereinen und Stadionbetreibern die von uns gewünschten Veränderungen herbeizuführen.

In einer gemeinschaftlichen Aktion ist es den Sehhunden gelungen, die Dauerkartenlösung in Mönchengladbach aufzubrechen und auch blinden Besuchern mit einer Tageskarte den Besuch der Spiele mit Nutzung eines Kopfhörerplatzes zu ermöglichen. Unser Dank gilt hier allen, die sich an diesem Unternehmen beteiligt haben.

Anleitung von Kommentatoren

Neben der Wartung der laufenden Projekte haben wir gleichzeitig auch die Arbeit der Kommentatoren begutachtet. Vielfach wurden unsere Verbesserungsvorschläge von den Sprechern dankbar aufgenommen und umgesetzt.

Darüber hinaus haben wir bei neuen Projekten, in deren Installation wir einbezogen waren, die Einarbeitung der Kommentatoren übernommen. Da dies nur im Rahmen von realen Spielen möglich ist, waren häufig mehrere Besuche pro Stadion nötig, um die Kommentatoren ausreichend an ihre Aufgabe heranzuführen.

Installation neuer Projekte, vor allem in den WM-Stadien

Neben der Wartung laufender Projekte und Anleitung neuer und gestandener Kommentatoren durfte die Schaffung neuer Projekte nicht aus den Augen gelassen werden. Hierzu war es notwendig, immer wieder Kontakt zu Vereinen und Stadionbetreibern aufzunehmen und sie davon zu überzeugen, dass auch in ihrem Stadion Kopfhörerplätze dringend notwendig sind.

Im Anschluss an diese einleitenden Gespräche waren otmals viele kleine Arbeitsschritte nötig, die sich auf Fragen wie die Anschaffung der Ausrüstung, die Positionierung der Plätze in den Stadien sowie die Kommentatoren bezogen. Die Verhandlungen gestalten sich oft sehr zäh, so dass es bis zu 12 Monate vom ersten Gespräch bis zum Projektstart dauern kann.

Da wir diese Prozesse so intensiv wie möglich begleitet haben, war es nicht selten erforderlich, auch in der Woche außerhalb des Spielbetriebes die Vereine und Stadionbetreiber aufzusuchen.

Obgleich lange nicht klar war, ob im Rahmen der WM 2006 Blindenplätze angeboten würden, haben wir auf Empfehlung des WM-OK das Hauptaugenmerk auf die WM-Stadien richten müssen.

Teilnahme an den Tagungen der BBAG

Auf Empfehlung von Bayer 04 Leverkusen sind wir seinerzeit an die BBAG herangetreten. Aufgrund der Organisationsstruktur konnten die Sehhunde lediglich in den sogenannten Beirat eintreten. Dieser gibt dem Vorstand der BBAG Empfehlungen für die Vereinsarbeit, die durch die Mitgliederversammlung des e.V. abgesegnet werden.

Um uns soweit wie möglich in die Arbeit der BBAG einzubringen, haben wir regelmäßig die einschlägigen Tagungen besucht und dabei versucht, darauf aufmerksam zu machen, welche Bedürfnisse blinde und sehbehinderte Stadionbesucher haben und dass diese von den Behindertenfanbeauftragten in gleicher Weise wie die Interessen der Rollstuhlfahrer bei der Fanbetreuung zu berücksichtigen sind.

Diskussionen mit und über die BBAG und die gemeinsame Zusammenarbeit

Im Rahmen der Tagungen war festzustellen, dass es aufgrund der hohen Präsenz der Rollstuhlfahrer und deren schwerwiegender Probleme schwierig ist, die Interessen Blinder und Sehbehinderter ausreichend zu thematisieren. Zudem wurde deutlich, dass es aufgrund der Struktur der BBAG, deren Mitglieder i.d.R. Vertreter der Vereine sind, kaum möglich sein dürfte, als bundesweit tätiger Fanclub neben einem bundesweit tätigen Vorstand effektiv zu arbeiten, da es zwangsläufig immer wieder zu Überschneidungen und damit zu Konflikten kommen würde.

Im Berichtszeitraum war es leider vermehrt zu Unstimmigkeiten und Interessenskonflikten gekommen, die schriftlich aufgearbeitet werden mussten. Zudem waren vereinzelt auch Gespräche mit dem Vorstand der BBAG nötig.

Abgesehen von dieser Problematik sind wir nach wie vor sehr daran interessiert, mit den einzelnen Behindertenfanbeauftragten zusammen zu arbeiten, wodurch die Situation blinder und sehbehinderter Stadionbesucher durch eine behinderungsgerechte Fanbetreuung weiter verbessert werden könnte.

Suche nach einem Gastgeber und Veranstaltungsort für Clubtreffen

Die Kontaktaufnahme zu den Fußballvereinen wird aus unterschiedlichsten Gründen immer schwieriger. Da auch im Fußball das Geld immer knapper wird, lassen sich die Clubs auch immer weniger darauf ein, als Gastgeber für unser Jahrestreffen zu fungieren.

Somit ist die Suche nach einem Veranstalter wesentlich zeitaufwendiger geworden. Dies, und der enorme Arbeitsaufwand im Umfeld der WM 2006, auf den wir nachfolgend noch eingehen, haben dazu geführt, dass nach der Veranstaltung im Oktober 2004 in Köln erst wieder im Februar 2007 ein Clubtreffen stattfinden wird.

Interviews für Blickpunkt Fußball

Neben der Schaffung und Wartung von Blindenprojekten in den Stadien gehört es zu den Aufgaben des Fanclubs Sehhunde, die Mitglieder über das Geschehen rund um den Ball zu informieren. Somit nimmt die Arbeit an der Clubzeitschrift "Blickpunkt Fußball" ebenfalls einen großen Raum ein.

Wie die Suche nach einem Gastgeber für die Jahresveranstaltung gestaltete sich auch die Aquiese von Interviews für Blickpunkt Fußball immer schwieriger. Vermutlich aufgrund des immer größer werdenden Medienaufkommens muss von Seiten der Vereine der Strom der Anfragen eingedämmt werden. Dies führt zu einer immer stringenter werdenden Auslese und zu immer strengeren Regulaarien was den Zeitpunkt der Ansetzung von Interviewterminen betrifft.

Interviews in den abendlichen Trainingslagern vor Pflichtspielen sind kaum noch möglich. Da die beliebten Termine im Umfeld von mittäglichen Pressekonferenzen für uns praktisch nicht wahrnehmbar waren, waren oftmals Reisen außerhalb der Spieltage nötig, um die erforderlichen Interviews zusammen zu bekommen.

Die redaktionelle Arbeit bestand weiter natürlich darin, weitere Artikel usw. für die Zeitschrift zusammen zu tragen.

Herausragendste Termine

März 2005, erstes Gespräch mit WM-OK bzgl. Blindenplätzen bei der WM

Bei diesem Termin ging es darum, dass WM-OK davon zu überzeugen, dass blinde und sehbehinderte Stadionbesucher gern auch zur WM 2006 den Service nutzen würden, den sie bei Pflichtspielen der Vereine gewöhnt sind. Ein solches Spezialangebot war zur WM nicht vorgesehen. Zudem machten die Vertreter des OK deutlich, dass sie von speziellen Plätzen für Blinde und Sehbehinderte noch nie gehört hätten.

Unser Dank für seinen großen Einsatz gilt Hans Florien, der im Rahmen dieser denkwürdigen Sitzung die Notwendigkeit von Blindenplätzen unterstrich und das Argument des OK, dass man neben den Rollstuhlfahrern keine weitere Gruppe von Stadionbesuchern präviligieren dürfe und könne, entkräftete.

Juli 2005, nochmalige Sitzung mit WM-OK

Im Rahmen dieses Termins wurden, obgleich über die Frage der Blindenplätze bei der WM noch nicht abschließend entschieden war, erste Vereinbarungen bzgl. der Ticketbestellung und –vergabe, Parkmöglichkeiten, Kommentatoren usw. getroffen.

Da das im Internet zur Verfügung gestellte Bestellformular für die Tickets nicht barrierefrei war, wurde vereinbart, eine Telefon-Hotline zu schaffen, damit die blinden und sehbehinderten Besucher sich selbständig um Tickets bewerben könnten.

Zu diesem Zeitpunkt fehlte noch die Zustimmung der FIFA, so dass mit der Umsetzung des Projektes noch nicht begonnen werden konnte. Uns wurde aber empfohlen, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst in allen WM-Stadien alle technischen Voraussetzungen geschaffen würden und Kommentatoren zur Verfügung stünden.

Etwa zu dieser Zeit teilte uns der Vorstand der BBAG mit, dass man dort beschlossen habe, den Sehhunden die Organisation der Blindenplätze bei der WM zu übertragen.

Januar 2006 Zustimmung der FIFA zum Angebot von Blindenplätzen bei der WM

Im Januar 2006 erfolgte endlich die benötigte Zustimmung der FIFA zum Angebot spezieller Sitzplätze für blinde und sehbehinderte Besucher bei der WM. Daraus folgten permanente Gespräche mit diversen Abteilungen des WM-OK wie z.B. dem Ticketing, der Abteilung "Städte und Stadien" sowie der Abteilung "Volunteers". Damit verbunden waren auch Reisen nach Frankfurt, um die wichtigsten Fakten direkt zu klären.

Da sich herausstellte, dass sich beim WM-OK immer mehr Menschen meldeten, die sich als Kommentatoren zur Verfügung stellen wollten, erhielten die Sehhunde von der Abteilung Volunteers den Auftrag, für jedes Stadion erfahrene Kommentatoren zu nominieren und im Notfall Ersatzkräfte zur Verfügung zu stellen.

Um auch den Bedürfnissen englischer Besucher Rechnung tragen zu können, war es notwendig, einen englischsprachigen Kommentator zu finden. Zudem musste in den betroffenen Stadien darauf geachtet werden, dass die entsprechenden technischen Voraussetzungen gegeben waren.

Die Abteilung Ticketing machte uns auf starke Unterstützer aufmerksam, ohne deren Einsatz und Einfluss es wohl nie zum Angebot von Blindenplätzen bei der WM gekommen wäre. Wir danken diesen Personen, die wir namentlich nicht benennen können, da sie sich uns nicht zu erkennen gegeben haben.

März 2006 "Trainingslager" Istanbul

Zur Durchführung unserer Arbeit haben wir uns immer wieder Rat und Hilfe bei unseren Ehrenmitgliedern geholt. Hier ist insbesondere Herrn Kurt Vossen zu danken, den wir häufig im Umfeld der Heimspiele von Bayer Leverkusen zu Gesprächen getroffen haben.

Aber auch private Reisen, wie z.B. die im März 2006 nach Istanbul beinhalten manchmal Gespräche, die sowohl Aktuelles wie auch Zukunftsweisendes für die Sehhunde beinhalten.

So wurden im Rahmen dieser Reise mit unserem Ehrenmitglied Christoph Daum aktuelle Probleme die WM betreffend erörtert, als auch zukunftsweisendes wie die Gründung eines e.V. zur Konsolidierung der Arbeit des Fanclubs Sehhunde diskutiert.

September 2006, Sicherung der Domain www.fanclub-Sehhunde.de und Konzeption eines Kommentatorenseminars

Die Präsenz im Internet ist heutzutage unabdingbar. Daher haben wir uns zunächst die Domain mit unserem Fanclubnahmen gesichert. Erste Überlegungen zur Konzeption der Homepage wurden getroffen und erste Materialien zusammengetragen.

Um den Spezialkommentar in den Stadien zu verbessern und zu standardisieren, haben wir die Idee entwickelt, ein Kommentatorenseminar durchzuführen und ein entsprechendes Konzept entworfen.

In diesem Zusammenhang haben wir uns darum bemüht, für dieses Vorhaben Gelder von der DFL zu erhalten, wo durch dieses Projekt zum Zankapfel zwischen den Sehhunden und der BBAG wurde und die Probleme bei der Vereinbarkeit zwischen der bundesweiten Arbeit der BBAG und der Sehhunde deutlicher als je zu vor zu Tage traten.

Gleichzeitig haben wir, nach dem die WM erfolgreich bewältigt wurde, unsere Bemühungen intensiviert, um einen Gastgeber und Veranstaltungsort zu finden, damit nach 2004 endlich wieder ein Fanclubtreffen stattfinden könnte.

Oktober 2006, Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande

Am 04.10. haben wir aus der Hand von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Wir danken in diesem Zusammenhang allen Mitgliedern, ohne die es keinen Fanclub gäbe. Außerdem danken wir allen innerhalb und außerhalb des Fanclubs, die uns immer wieder bei unserer vielseitigen Arbeit unterstützen.

Nachfolgend erhielten wir eine Anfrage des Bundespräsidialamtes, auf die hin wir unsere Arbeit ausführlich zu dokumentieren hatten. Wir legten schriftlich das bisher Erreichte dar und führten aus, welche Projekte zukünftig in Angriff genommen werden sollen.

Über dies konnte das Konzept für eine Fanclubveranstaltung entwickelt werden, die im Februar 2007 stattfinden wird.

Januar 2007, Tod von Kurt Vossen

Kurt Vossen

Am 11.01. verstarb unser Ehrenmitglied kurt Vossen, der sich in besonderer Weise um die Verbesserung der Situation blinder und sehbehinderter Besucher in den Fußballstadien verdient gemacht und uns immer mit Rat und Hilfe zur Verfügung gestanden hat. Mit Kurt Vossen haben wir einen starken Unterstützer verloren.