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Tätigkeitsbericht für den Zeitraum vom 04.02.2007 – 30.08.2008

Vorbemerkung

In diesem Tätigkeitsbericht werden zunächst die für die Arbeit des Fanclubs Sehhunde; Fußball-Fanclub für Blinde und Sehbehinderte e.V. vorrangigsten Themen aufgeführt und erläutert. Im Anschluss daran sollen die für den Berichtszeitraum wichtigsten Termine benannt und erörtert werden.

Redaktion und Produktion von Blickpunkt Fußball

Wie auch in der Vergangenheit ist es im Berichtszeitraum gelungen, in jeder Ausgabe des Fanclubmagazins ein selbst geführtes Interview mit einer Persönlichkeit aus dem Umfeld des Fußballs zu veröffentlichen. Um dies zu gewährleisten ist es notwendig, mit den Vereinen und Interviewpartnern zu korrespondieren und zu den Interviewterminen, die in ganz Deutschland stattfinden, zu reisen.

Die weitere redaktionelle Arbeit besteht darin, Beiträge aller Art zusammenzutragen, Auszüge aus Zeitschriften auf Tonträger aufsprechen zu lassen und letztlich das Magazin zusammenzustellen, es zu vervielfältigen und zu versenden.

Kontaktaufnahme zu Vereinen, die noch keine Sitzplätze für Blinde anbieten

Sitzplätze mit einer Spezialreportage für blinde und sehbehinderte Besucher, die sich, bis auf wenige Ausnahmen, einer regen Nutzung erfreuen, werden derzeit von 26 Vereinen der 1. und 2. sowie der Regionalliga angeboten. Langfristiges Ziel des Fanclubs Sehhunde ist es, dass derartige Sitzplätze im Bereich des Profifußballs flächendeckend vorgehalten werden.

Um dies zu erreichen ist es immer wieder nötig, schriftlich und persönlich mit den Vereinen in Kontakt zu treten und die Vorzüge dieser Sitzplätze für die blinden und sehbehinderten Stadionbesucher zu erläutern und den Bedarf an einem solchen Angebot für die eigenen sowie die Gästefans deutlich zu machen.

Beratung der Vereine und Besuche in den Stadien

Vereine, die es wünschen, werden durch den Fanclub Sehhunde bei der Installation ihrer Blindenplätze sowie zu Fragen zur Betreuung der Besucher, zum Ticketing usw. beraten. Darüber hinaus unterstützen wir sie bei der Einarbeitung der Reporter.

Unser Ziel ist es, langfristig die Spezialreportage zu standardisieren. Nur so kann eine umfassende Teilhabe der blinden und sehbehinderten Besucher am Erlebnis im Stadion sichergestellt werden.

Neben der Unterstützung für neue Angebote besuchen wir auch immer wieder die laufenden Projekte. Auch dies dient der Qualitätssicherung, weil wir versuchen, Fehler, die für die Nutzer vermeidbare Unannehmlichkeiten nach sich ziehen könnten, aufzuspüren und gemeinsam mit den Vereinen zu beseitigen.

Öffentlichkeitsarbeit

Um den Fanclub Sehhunde und seine Arbeit im Umfeld blinder und sehbehinderter Menschen bekannter zu machen, sind im Jahre 2007 mehrfach Artikel in blindenspezifischen Medien veröffentlicht worden. Sie bezogen sich auf besondere Ereignisse wie die Jahresveranstaltung und das erste bundesweite Reporterseminar.

Da im Jahre 2008 in Österreich und der Schweiz die Fußballeuropameisterschaft ansteht, lag ein Hauptaugenmerk bei der Vereinsarbeit auch darin, Kontakt zu den dort eingebundenen Vertretern der Blindenselbsthilfe aufzunehmen und auch zu halten. Dies war wichtig, da sich herausstellte, dass die Organisationskomitees die Zusammenarbeit mit den behinderten Menschen vor Ort vorzogen.

Vereinsgründung und Eintrag ins Vereinsregister

Die Gründungsversammlung fand am 04.02.2007 in Mainz statt. Im Anschluss daran wurde alles Nötige veranlasst, so dass der Verein Ende Februar in das Vereinsregister aufgenommen wurde.

Die vorläufige Zuerkennung der Mildtätigkeit erfolgte Anfang März 2007.

Des weiteren mussten auch administrative Aufgaben wie z.B. die Erstellung neuer Briefbögen u.ä. durchgeführt werden.

Ausstieg aus dem Beirat der BBAG

Wie im Rahmen der Gründungsversammlung beschlossen, trat der Fanclub Sehhunde im März 2007 aus dem Beirat der BBAG aus, um die Interessen blinder und sehbehinderter Stadionbesucher selbständig zu vertreten. Dies wurde dem Vorstand der Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft bei einer Zusammenkunft in Köln mitgeteilt. Der Fanclub Sehhunde machte deutlich, dass weiterhin die Bereitschaft bestehe, mit der BBAG zu kooperieren. Dies wurde auch allen Behindertenfanbeauftragten im Anschluss an die Sitzung schriftlich mitgeteilt.

Erstellung unseres Flyers

Im April 2007 wurde in Zusammenarbeit mit der Pressestelle des 1. FC Köln, zu der der Kontakt von Christoph Daum hergestellt wurde, mit der Erstellung eines Flyers begonnen. Dieser sollte sowohl an potenzielle Mitglieder und Spender, aber auch an Personen und Organisationen verteilt werden und stellt somit ein sinnvolles Instrument zur Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit dar.

Der Flyer wurde im August 2007 fertig gestellt und in Druck gegeben. Die Finanzierung war durch eine Spende von Christoph Daum möglich geworden.

Zusammenarbeit mit der DFL

Nachdem im März 2007 mit Hilfe von Herrn Wolfgang Holzhäuser (Bayer Leverkusen) ein erster Vorstoß unternommen wurde, kam es im August auf seine Vermittlung hin zu einem Treffen mit Holger Hieronymus und Herrn Nass, der in dem Bereich der DFL beschäftigt ist, der sich um die Belange der Fans in den Stadien kümmert. Der eigentlich zuständige Mitarbeiter für Fanfragen, Herr Schneider, konnte an dem Termin nicht teilnehmen.

Wir konnten deutlich herausarbeiten, wie der Fanclub Sehhunde seine Arbeit und die Interessenvertretung sehgeschädigter Stadionbesucher versteht. Auch konnte deutlich gemacht werden, in wieweit sich diese Arbeit von der der BBAG und der Behindertenfanbeauftragten vor Ort unterscheidet. Vor allem aber konnte das Missverständnis, dass die Vereine neben dem Behindertenfanbeauftragten auch noch einen Spezialisten für die blinden und sehbehinderten Stadionbesucher haben sollten, beseitigt werden. Vielmehr wurde die Wichtigkeit eines gut geschulten Behindertenfanbeauftragten, der die Belange aller Menschen mit Handicaps berücksichtigt, hervorgehoben.

Herr Hieronymus räumte ein, in Rahmen dieses Termins viel über die Arbeit des Fanclubs Sehhunde erfahren zu haben, was ihm bislang nicht so bekannt gewesen sei. Auf Basis der neuen Erkenntnisse stellte er in Aussicht, dass sich die Zusammenarbeit mit der DFL intensivieren werde.

Im Rahmen dieser Zusammenkunft berichteten wir auch über das anstehende Reporterseminar, dessen Finanzierung noch nicht gesichert war. Die DFL hatte seinerzeit eine finanzielle Unterstützung dieses Vorhabens abgelehnt. Herr Hieronymus bat um Übersendung der Unterlagen und versprach, die Angelegenheit zu prüfen.

Wir Danken Herrn Holzhäuser für seine Bemühungen bei der Vermittlung des Gesprächstermins mit Herrn Hieronymus. Diesem danken wir für die Zeit, die er uns gewidmet hat.

Finanzierung des Reporterseminars

Zu unserer Freude waren die Anmeldungen zu dem von uns für November anberaumten ersten Seminar für die Reporter an den Blindenplätzen in den Fußballstadien sehr zahlreich. Da die meisten Reporter ehrenamtlich tätig sind, war es unser Ziel, die Veranstaltung so weit wie möglich durch Spenden zu finanzieren, um die Kosten für die Teilnehmer möglichst gering zu halten.

Bewerbungen um Stiftungsgelder blieben leider erfolglos. Sehr kooperativ zeigte sich die Aktion Mensch, die die 40%ige Finanzierung ermöglichte.

Den weitaus größeren Teil finanzierte letztlich die DFL. Das dies gelingen konnte, verdanken wir sicher in erster Linie Christoph Daum, der Michael Meier von der Wichtigkeit unseres Vorhabens überzeugte und Michael Meier, der sich in großartiger Weise bei der DFL und insbesondere bei Holger Hieronymus für unsere Belange eingesetzt hat.

Wir danken an dieser Stelle der Aktion Mensch und der DFL dafür, dass sie dieses Seminar, das für die Reporter erstmals stattfand, in so großzügiger Art und Weise unterstützt haben.

Beratung zur Digitalisierung von Blickpunkt Fußball

Zu unserem großen Bedauern wird die Tonqualität von Blickpunkt Fußball immer schlechter, was darauf zurückzuführen ist, dass die Kassettentechnik mittlerweile veraltet ist. Es gibt praktisch keine Aufnahme- und Kopiergeräte mehr zu kaufen. Aus dem Mitgliederkreis wird bereits die Befürchtung geäußert, dass potenzielle Mitglieder aufgrund dieses Umstandes auf den Eintritt in den Verein verzichten bzw. dass Mitglieder sich deshalb zum Austritt entschließen könnten.

Bereits im August 2007 ließen sich die Vorsitzenden von Herrn Carsten Albrecht, der als blinder Mitarbeiter der DIAS GmbH elektronische Geräte aller Art auf ihre Tauglichkeit für Sehgeschädigte testet, beraten. Herr Albrecht hat empfohlen, zum Zusammenstellen und Kopieren des Magazins den PTR2 zu nutzen. Dabei handelt es sich um einen speziell für die Bedienung durch sehgeschädigte Menschen entwickelten CD-Rekorder. Da es sich dabei um ein relativ großes und schweres Gerät handelt, sollen noch 2 digitale Diktiergeräte für den mobilen Einsatz zum Aufzeichnen von Interviews und Aufsprechen von Beiträgen angeschafft werden.

Die Digitalisierung soll vollzogen werden, sobald die Finanzierung der technischen Geräte durch Spenden möglich ist. Leider waren die diesbezüglichen Bemühungen bislang, ähnlich wie seinerzeit beim Einwerben der Gelder für das Seminar, erfolglos.

Verleihung des Ehrenpreises im Rahmen des CNN Journalist Award

Am 23.10.2007 wurde dem Fanclub Sehhunde eine besondere Ehrung zuteil. Der Verein erhielt im Rahmen des Ehrenpreises des CNN Journalist Award eine Auszeichnung in Form eines Geldpreises.

Dietmar Noll, der als Reporter für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg tätig ist, hatte sich mit einem Beitrag über blinde Fußballfans bei der WM im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Nachwuchsjournalist um den Award im Bereich Audio beworben. Den Hauptpreis hat er nicht bekommen, wohl aber eine Auszeichnung in Verbindung mit dem Ehrenpreis.

1. bundesweites Seminar für die Reporter an den Sitzplätzen für Blinde in deutschen Fußballstadien

Das Reporterseminar stellte einen weiteren Meilenstein in der Arbeit des Fanclubs Sehhunde dar. Die Tagung, die nicht zuletzt auch auf Wunsch mehrerer Reporter durchgeführt wurde, fand vom 17. – 18.11.2007 im Marienburger Bonotel in Köln statt. Als Dozent konnte Broder Jürgen Trede gewonnen werden, der seinerzeit das zweisemestrige Seminar am Institut für Sportjournalistik an der Uni Hamburg zur Ausbildung der in der HSH-Nordbank-Arena tätigen Reporter geleitet hat.

Neben der Vermittlung von Grundlagen rundeten praktische Übungen, in deren Rahmen die Reporter ihr Können anhand von Fernsehbildern demonstrierten, die Tagung ab.

An dieser Stelle danken wir Reiner Calmund, Jens Nowotny und Christoph Daum, die die Veranstaltung begleitet haben. Während Jens Nowotny sich als Neuling im Umfeld des Fanclubs Sehhunde zunächst einmal einen Eindruck von der Arbeit der Reporter und den Inhalten und Besonderheiten der Spezialreportage verschaffte, hoben Reiner Calmund und Christoph Daum die Wichtigkeit der Arbeit an den Blindenplätzen als Beitrag zur Integration blinder und sehbehinderter Stadionbesucher in die Gemeinschaft der Fußballfans hervor.

Mit großer Freude konnten wir auch Herrn Thomas Schneider, der bei der DFL federführend mit allen Fragen um die Fanarbeit befasst ist, begrüßen. Er machte in einer Ansprache an die Teilnehmer deutlich, dass er den Gesprächs- und Schulungsbedarf erkannt habe und das es wichtig sei, die Reporter bei der Erfüllung ihrer besonderen Aufgabe zu unterstützen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die DFL gemeinsam mit dem Fanclub Sehhunde auch zukünftig derartige Tagungen durchführen könne.

Besuch der Vertreter der Schweizer Blindenselbsthilfe in Köln

Im Februar 2008 besuchten Vertreter der schweizerischen Blindenverbände die Blindenplätze in Köln. Da es in der Schweiz derartige Angebote noch nicht gibt, wollten sie sich ein Bild von der Arbeit der Reporter machen, um ihre Erfahrungen dann in den Gesprächen mit den Organisatoren der Euro 2008 weiterzugeben. Sie zeigten sich dabei sehr beeindruckt von der Leistung der Reporter.

Im anschließenden Gespräch berichteten die Gäste von den Schwierigkeiten im Kontakt mit der UEFA bei der Interessenvertretung für die sehgeschädigten EM-Besucher. Der Fanclub Sehhunde sicherte zu, die Selbsthilfeverbände im Rahmen seiner Möglichkeiten zu unterstützen.

Konzeptionelle Gespräche mit der DFL, Herrn Schneider

Ein Arbeitsessen bildete in Hamburg den Rahmen für ein erstes ausführliches konzeptionelles Gespräch mit Herrn Schneider von der DFL. Herr Schneider sicherte zu, dass der Fanclub Sehhunde zukünftig als Ansprechpartner für die Belange blinder und sehbehinderter Fußballfans in die Arbeit der DFL eingebunden werden soll. Darüber hinaus sicherte er zu, dass die DFL zukünftig gemeinsam mit dem Fanclub Sehhunde an einer besseren Vernetzung der Reporter und an einer Standardisierung der Spezialreportage arbeiten wolle.

Schlussbemerkung

Wir danken allen Personen und Institutionen herzlich dafür, dass sie den Fanclub Sehhunde im vergangenen Jahr in so hervorragender Art und Weise unterstützt haben. Sie haben durch ihren Einsatz einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Integration der blinden und sehbehinderten Menschen in die Gesellschaft im Allgemeinen und in die Gemeinschaft der Fußballfans im Besonderen zu integrieren.