Startseite > Über uns > Tätigkeitsbericht > Tätigkeitsbericht für das Jahr 2008

Tätigkeitsbericht für den Zeitraum April 2008 – Januar 2009

Wie in der Vergangenheit gab es auch im aktuellen Berichtszeitraum Tätigkeiten, die permanent anstanden.

Zunächst war da die redaktionelle Arbeit für das Audiomagazin "Blickpunkt Fußball" sowie dessen Produktion und Vervielfältigung. Es mussten Beiträge gesucht, gedruckte Artikel auf Tonträger aufgesprochen und in das Magazin eingebunden werden. Darüber hinaus waren permanente Gespräche mit den Pressestellen diverser Vereine und anderer mit dem Fußball verbundener Institutionen notwendig, um die Möglichkeit zu erhalten, Interviews mit Personen aus dem fußballerischen Umfeld zu führen. Außerdem waren Reisen notwendig, um die Interviews vor Ort führen zu können. Einen gewissen Raum nahm, vor dem Hintergrund der mit der Digitalisierung des Audiomagazins verbundenen Schwierigkeiten, auf die zu einem späteren Zeitpunkt noch eingegangen werden soll, die Zusammenstellung und Vervielfältigung von Blickpunkt Fußball ein.

Ein wichtiges Standbein der Vereinsarbeit stellt auch weiterhin die Arbeit an den Sitzplätzen mit Spielreportage dar. Zu unserem großen Bedauern hat sich die Praxis durchgesetzt, dass die Vereine und Stadionbetreiber ihre Blindenplätze ganz ohne die Hinzuziehung blinder Menschen, oder aber unter Hinzuziehung Betroffener, die zumeist noch nie das Spezialangebot in einem anderen Stadion genutzt haben, errichten. Diese Praxis führt dazu, dass sich die Unannehmlichkeiten für die blinden Nutzer häufen und dass die Versorgung mit der Reportage und die Betreuung der Fans vom Kartenkauf bis hin zum Spielbesuch nicht optimal gewährleistet sind. Es war daher, wie auch in der Vergangenheit, notwendig, sowohl neue als auch länger bestehende Projekte aufzusuchen. Nach den Stadionbesuchen bestand die Arbeit darin, mit den Vereinen, Stadionbetreibern, Reportern u.ä. ins Gespräch zu kommen und auf eventuelle Fehler und Missstände aufmerksam zu machen.

Da die DFL die Federführung im Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga inne hat und über dies sich im Rahmen ihrer Fanarbeit auch verstärkt um Fans mit Behinderung bemühen möchte, war die Zusammenarbeit mit der entsprechenden Abteilung sehr wichtig. Es hat diverse Einzelgespräche gegeben. Außerdem hat der Fanclub Sehhunde erstmals an der von der DFL durchgeführten Behindertenfanbeauftragtentagung teilgenommen. Darüber hinaus wurde bestehend aus Vertretern der DFL, der BBAG und des Fanclubs Sehhunde eine Arbeitsgruppe zum Thema "Aufenthaltsbedingungen in den Stadien" gebildet.

Da die Sitzplätze mit Spezialreportage noch nicht Standard sind, war es auch nach wie vor wichtig, Kontakt zu den Vereinen aufzunehmen, die noch keine Blindenplätze anbieten.

Nach diesen allgemeinen Ausführungen soll auf umfangreichere Tätigkeiten eingegangen werden, die zeitlich in gewisser Weise begrenzt anstanden:

März/April 2008 Die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz

Die Organisatoren der EM in Österreich und der Schweiz erkannten, dass die Blindenreportage in ausreichender Qualität nur dann angeboten werden kann, wenn auf den Sachverstand erfahrener Reporter zurückgegriffen werden könnte. Da keine Zeit mehr blieb, um neue Kräfte zu schulen, vermittelte der Fanclub Sehhunde, im Interesse der blinden und sehbehinderten Stadionbesucher, erfahrene Kräfte aus dem Reporterkreis in Deutschland.

Anders als bei der WM 2006 in Deutschland, wo das Organisationskomitee die Vergabe der Tickets für Blinde inne hatte, oblag die Vergabe dieser Sonderkarten bei der EM der Behindertenselbsthilfe im jeweiligen Land. Die Blindenselbsthilfe in Österreich war so freundlich, dem Fanclub Sehhunde Tickets für die Vorrundenspiele mit deutscher Beteiligung zur Verfügung zu stellen. Die Information, dass Tickets auf dem deutschen Markt zur Verfügung stehen, wurde über Mailinglisten und andere blindenspezifische Verteilungswege bekannt gemacht. Der Fanclub Sehhunde hat die Bewerbungen um die Karten angenommen. Die Verteilung der Karten geschah durch eine Verlosung, die durch eine neutrale Person, die im Blindenwesen Deutschlands einen gewissen Bekanntheitsgrad haben sollte, vorgenommen. Es konnte Dennis Corry gewonnen werden, der seinerzeit die Geschäftsführung des Institutes IRIS e.V. inne hatte. Die Tickets gingen zumeist an Personen, die nicht im Fanclub Sehhunde organisiert sind.

April 2008 Jahrestreffen des Fanclubs Sehhunde in Köln

Auch dieses Mal wurde den Teilnehmern ein abwechslungsreiches Programm geboten, das am ersten Abend mit der vorgeschriebenen Mitgliederversammlung begann. Der prall gefüllte Samstag wurde mit dem Besuch eines Journalisten des Express eröffnet. Im Anschluss daran fesselte Christoph Daum die Anwesenden mit einem Vortrag zum weiten Feld der Motivation. Den Widrigkeiten des Straßenverkehrs trotzend, erreichten wir gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff das RewirPowerStadion, wo wir uns von der guten Qualität der Ende 2007 in Bochum in Betrieb genommenen Blindenplätze überzeugen konnten. Zurück aus Bochum, wurden wir von Roland Koch und Christoph Daum am Geißbockheim in Empfang genommen, um uns endlich einmal auch selbst zu bewegen. Roland Koch vermittelte einen Eindruck vom Aufwärmprogramm der Fußballprofis sowie in das Konditionstraining. Den Abschluss bildete nach einem ebenso interessanten wie erheiternden Vortrag des Ex-Schiedsrichters Walter Eschweiler am Sonntag eine Führung durch das RheinEnergieStadion.

Juli/August 2008 Einwerben von Spendengeldern

Ein mildtätiger Verein ist bei der Durchführung seiner Arbeit auf umfangreiche Spenden und anderweitige Zuwendungen angewiesen. Um diese einzuwerben, ist viel diplomatisches Geschick nötig, das dem Fanclub Sehhunde bislang noch fehlte. Um uns in diesem Bereich anzuleiten, konnte Frau Inge Lüders gewonnen werden, die aufgrund ihrer Tätigkeit im Stiftungsrat der Claere-Jung-Stiftung über die notwendige Erfahrung verfügt.

August/September 2008 Digitalisierung von "Blickpunkt Fußball"

Ein Thema, das den Fanclub Sehhunde schon seit längerer Zeit beschäftigte, war die Digitalisierung von "Blickpunkt Fußball". Diese wurde notwendig, weil aufgrund des technischen Fortschritts die Produktion auf Kompaktkassetten nicht mehr möglich war. Die Tonqualität der Bänder wurde immer schlechter. Darüber hinaus sind keine geeigneten Aufnahme- und Kopiergeräte mehr zu bekommen. Die CD wurde daher das Medium der Wahl. Um das Magazin auf CD produzieren zu können, mussten neue Aufnahmegeräte usw. angeschafft werden. Da diese digitalen Geräte heutzutage nur noch über Menüs bedient werden können, mussten Geräte angeschafft werden, die mit einer Sprachführung ausgestattet sind. Dadurch wurde dieses so notwendige Projekt recht kostspielig. Es gelang aber, zum einen portable digitale Aufnahmegeräte aus Mitteln des Fanclubs Sehhunde zu beschaffen und zum anderen einen sprechenden CD-Rekorder durch eine Spende der Firma "Baum Retec" zu erhalten. Viel Raum hat die Einarbeitung in die neuen Technologien in Anspruch genommen, bis "Blickpunkt Fußball" das erste Mal auf CD erscheinen konnte.

September 2008 Konzeption des nächsten Reporterseminars

Nach dem die DFL ihre Bereitschaft signalisiert hatte, das nächste Reporterseminar ausrichten zu wollen, haben wir mit Broder-Jürgen Trede, der als Mitarbeiter des Instituts für Sportjournalistik auch für die kommende Veranstaltung als Referent tätig sein wird, die Erfahrungen aus dem Kölner Seminar zusammengetragen und überlegt, wie in sinnvoller Weise zum einen auf der ersten Veranstaltung aufgebaut werden kann, ohne dabei zu vernachlässigen, dass immer wieder neue Reporter an den Veranstaltungen teilnehmen werden. Es ist gelungen, ein umfassendes Konzept zu entwickeln.

Oktober 2008 Konzeptionelles Gespräch mit DFL bzgl. der künftigen Zusammenarbeit und des Reporterseminars

Bezogen auf die Zusammenarbeit mit der DFL wurde vereinbart, dass der Fanclub Sehhunde nach wie vor daran arbeiten soll, die Qualität der Blindenplätze zu standardisieren. Auch äußerte die DFL den Wunsch, dass die Blindenreportage in allen Stadien in möglichst gleichbleibender Qualität angeboten werden sollte. Deshalb hatte sie auch die Bereitschaft erklärt, sich zukünftig an der Reporterschulung zu beteiligen. Selbstverständlich erklärte der Fanclub Sehhunde seine Bereitschaft, an Tagungen und Arbeitsgruppen der DFL teilzunehmen.

Das mit Herrn Trede erarbeitete Konzept für das für Januar 2009 geplante Reporterseminar wurde vorgestellt und von der DFL angenommen.

Der Fanclub Sehhunde hat im genannten Zeitraum über dies an der von der DFL durchgeführten Behindertenfanbeauftragtentagung teilgenommen.

November/Dezember 2008 Fortsetzung Planung Reporterseminar

Im November 2008 tagte zum ersten Mal die Arbeitsgruppe, die sich mit den Aufenthaltsbedingungen behinderter Fans in den Stadien befasst. Ziel ist es, einen Leitfaden zu erarbeiten, den die DFL den Vereinen an die Hand geben will. Der Fanclub Sehhunde soll die für blinde und sehbehinderte Besucher wichtigen Inhalte einbringen.

Außerdem wurde die Planung des Reporterseminars fortgesetzt. Dabei kam es zu Unstimmigkeiten bzgl. der Zusammenarbeit und des Mitspracherechtes, die aus Sicht des Fanclubs Sehhunde ausgeräumt werden sollten.

Ausblick

Zukünftig wird es wichtig sein, die Position des Fanclubs Sehhunde im Umfeld des Fußballs weiter zu festigen und seine Position gegenüber der DFL abzustimmen. Durch massive Veränderungen der Medienlandschaft wird es immer schwieriger, Interviewtermine zu bekommen. Über die Gestaltung von "Blickpunkt Fußball" muss deshalb massiv nachgedacht werden.

Ein Großereignis wird im Jahre 2009 das 10jährige Jubiläum der Blindenplätze sein. Dieses Ereignis wird in Leverkusen, wo dieses Angebot seinen Anfang nahm, entsprechend begangen werden.