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Tätigkeitsbericht für den Zeitraum November 2011 bis März 2013

Im Rahmen der Vereinsarbeit gibt es Tätigkeiten, die permanent durchgeführt werden müssen, um den Grundstein zur Erfüllung der satzungsgemäßen Ziele zu legen. Diese sollen zunächst dargestellt werden. Die anschließenden Abschnitte sind  herausragenden Ereignissen, besonderen Projekten u.ä. gewidmet. 

Die Zahl der Vereine, die in den diversen Ligen Sitzplätze mit Spielreportage anbieten, wird erfreulicherweise immer größer. Der Fanclub sehhunde hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, die Teilhabe Blinder und Sehbehinderter Menschen am Fußball dadurch zu verbessern, dass die spezielle Spielreportage unter Berücksichtigung eines gewissen Standards im jeweiligen Stadion angeboten wird. Dazu sind immer wieder Gespräche mit den Reportern notwendig, um Anregungen zu geben bzw. deren Fragen zu beantworten. Einerseits steht hierfür das bundesweite Reporterseminar zur Verfügung, das der Fanclub Sehhunde gemeinsam mit der DFL durchführt. Andererseits haben die Reporter auch immer wieder individuellen Beratungsbedarf. Problematisch ist auch, dass die Reporter häufig von den Vereinen gar nicht auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Die Besucher, die großenteils noch nie eine Reportage im Stadion gehört haben, sind froh über die Angebote und kaum in der Lage, den Reportern Verbesserungen vorzuschlagen oder anderweitige Hilfestellungen zu geben. Somit ist es erforderlich, dass die laufenden Angebote immer wieder aufgesucht werden.

Die Besuche sind  auch deshalb wichtig, da in den Stadien technische Mängel sowohl von den Nutzern als auch von den Betreibern in Kauf genommen werden, die den Besuchern nicht zugemutet werden sollten. Die Bandbreite reicht von kleinen Tonunreinheiten bis zu komplettem Ausfall der technischen Ausrüstung. Auch kommen immer wieder Probleme bei der Ticketvergabe vor. Da wir insgesamt von den blinden und sehbehinderten Stadionbesuchern wenig Rückmeldungen erhalten, werden wir auf diese Probleme nur im Rahmen unserer Stadionbesuche aufmerksam. Die sich daraus ergebenden Fakten werden möglichst mit dem jeweiligen Verein oder Stadionbetreiber besprochen. Auch die deutsche Fußballliga erhält im Rahmen unserer turnusmäßigen Gespräche eine Rückmeldung darüber.

Obgleich die angebotenen Sitzplätze mit spezialreportage immer mehr werden, gibt es noch immer Vereine, die trotz enormen Zuschauerpotentials diese Art von Service nicht installiert haben. Hier gilt es, für die betroffenen Fans die Teilhabemöglichkeit zu schaffen und die entscheidenden Stellen von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Der Fanclub Sehhunde berät Vereine, Stadionbetreiber sowie mitunter auch andere Interessierte zur Installation von Sitzplätzen für Blinde und Sehbehinderte in einem Fußballstadion. Im aktuellen Berichtszeitraum haben wir Kontakt zu Vereinen aufgenommen, die noch keine Sitzplätze mit Spielreportage anbieten. Dabei haben wir Wert darauf gelegt, dass die Behindertenfanbeauftragten der Clubs mit einbezogen werden. Außerdem haben wir mehrfach Studentinnen unterstützt, die Hausarbeiten o.ä zur Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen angefertigt haben.

Weiterhin finden auch die turnusmäßigen Gespräche mit der DFL statt. In deren  Rahmen werden anstehende Probleme erörtert und Möglichkeiten zur Verbesserung der Teilhabe blinder und sehbehinderter Fußballfans erarbeitet. Ein fester Bestandteil ist auch immer die Weiterentwicklung und Durchführung des Reporterseminars.

 Das Audiomagazin "Blickpunkt Fußball" liefert nach wie vor speziell aufbereitete Hintergrundinformationen rund um den Fußball, Informationen zu den Blindenplätzen in den Stadien  und interne Vereinsmitteilungen. Die Zusammenstellung und Vervielfältigung stellen ebenfalls einen wichtigen Teil der immer wiederkehrenden Vereinstätigkeiten dar. In diesem Zusammenhang danken wir unserem Mitglied Hermann Schink, der die Verantwortung für Redaktion und Versand übernommen hat.

 Um die Vereinsarbeit auf sichere Beine zu stellen, war und ist es nach wie vor erforderlich, Kontakt zu den Menschen im Umfeld des Fußballs zu halten, die die Sehhunde unterstützen. Dabei geht es sowohl um finanzielle Unterstützungen als auch darum, dass wir uns Hilfen anderer Art sowie Rat in Schwierigen Situationen einholen können. Diese Kontaktpflege ist sehr aufwendig, weil die Terminkalender voll sind und es schwierig ist, zusammen zu kommen.

 Zur umfassenden Teilhabe am Fußball gehört auch der Austausch mit anderen Fans. Um dies zu gewährleisten hat der Fanclub Sehhunde in Frankfurt das alljährliche Begegnungswochenende rund um den Fußball durchgeführt. Neben der Mitgliederversammlung wurde ein Programm angeboten, das auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Fußballfans abgestimmt war, aber auch für die Teilnehmer ohne Behinderung viel Interessantes bot. Neben dem obligatorischen Spielbesuch rundeten Gespräche mit  Talkgästen aus dem Sponsoring, sowie der Nachwuchsarbeit das Programm ab. Ein besonderer Höhepunkt war sicher der Besuch des Eintrachtmuseums.

Im März 2013 haben wir an der Behindertenfanbeauftragtentagung teilgenommen, die die DFL und die BBAG in Kooperation durchführen. Im Rahmen der Tagung haben wir an Workshops zum Thema "Aufgaben der Behindertenfanbeauftragten" sowie "Fortbildung der Behindertenfanbeauftragten" teilgenommen. Darüber hinaus konnten Kontakte zu bereits bekannten Beauftragten gepflegt und neue Verbindungen geknüpft werden.

 Eine gute Fortsetzung der vernetzenden Arbeit bot im Juni 2013 die Tagung der BBAG (Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft). Nach längerer Abwesenheit waren wir eingeladen worden und haben als Gäste teilgenommen. Dem 1. Vorsitzenden, Herrn Dohm, war vor allem deshalb an unserer Anwesenheit gelegen, weil ein Student seine Arbeitsergebnisse zur Differenzierung von TV-Radio- und Blindenreportage präsentierte.

 Ebenfalls im Juni 2012 hat die turnusmäßige Zusammenkunft mit der DFL stattgefunden, bei der Marco Rühmann, der bei Borussia Dortmund ein anderes Aufgabenfeld gefunden hat, letztmalig anwesend war. Es wurden verschiedene Themen, wie z.B. das anstehende Reporterseminar sowie die Barrierefreiheit der Behindertenfanbeauftragtentagung erörtert.

Das Reporterseminar fand vom 12. - 14.10. in der Sportschule Kaiserau statt. Für uns bietet es die Möglichkeit, außerhalb der Unruhe im Stadion mit den Einzelnen zu sprechen, neue Reporter kennen zu lernen und ihnen die Arbeit der Sehhunde näher zu bringen sowie anstehende Fragen zu beantworten. Aufgrund der Arbeitsdichte bzgl. aufkommender Sicherheitsproblematiken in den Stadien hat die DFL sich nur in geringen Maße an der Umsetzung der Veranstaltung beteiligen können. Die Planung wurde hauptsächlich von dem langjährigen Dozenten Broder Jürgen Trede, sowie Björn Nass, der Teil des Reportersprecherteams ist, vorgenommen.

Im Oktober und November 2012 ergab sich im Rahmen der Europaleague durch die günstige Auslosung die Möglichkeit, im Rahmen der Begegnung von Rapid Wien und Bayer Leverkusen die  Blindenreportage in Österreich kennen zu lernen. Entsprechende Kontakte wurden bereits auf dem Cafee-Kongress 2011 in London geknüpft. Das österreichische Verfahren wurde schon seit langer Zeit sowohl vereinsintern als auch mit der DFL diskutiert. Die Übertragung erfolgt über eine sogenannte Eventfrequenz im UKW-Bereich. Der Empfang ist sowohl über ein Radio, als auch über das Handy möglich. Die Reportage wird über ein kommerzielles Unternehmen angeboten. Davon abgesehen, dass die Übertragung über UKW  in Deutschland rechtlich ausgeschlossen ist, hat sich der Empfang über das Handy als sehr instabil und in der Tonqualität unzureichend erwiesen. Ob und wieweit ein Radio eine Verbesserung erbracht hätte, konnte nicht ausprobiert werden. Anlässlich des Rückspiels fand ein Gegenbesuch in Leverkusen statt, bei dem es zu einem regen Austausch kam.

Die Vorbereitung des nächsten Begegnungswochenendes begann im Februar 2013. Nach einem Gespräch mit Wolf Werner, der den Fanclub Sehhunde schon seit langer Zeit kennt, wurde die Planung der Veranstaltung in Düsseldorf begonnen. In diesem Zusammenhang danken wir Herrn Werner und seinen Mitarbeitern sowie dem Beauftragten für Fans mit Sehbehinderung, Herrn Felix, für ihre Unterstützung.

Aufgrund von Ausschreitungen und dem vermehrten Abbrennen von Feuerwerkskörpern in den Stadien sahen sich Politik und DFL zum Handeln gezwungen. Ein Sicherheitspappier der DFL hatte, insbesondere in Fankreisen, für massive Diskussionen und Protestaktionen gesorgt. Um Interesse von Fans mit Behinderungen mit dieser Thematik umgehen zu können, wollten wir gern wissen, wie die BBAG sich zu dem Problem verhalten möchte. Deshalb haben wir im März 2013 ein Treffen mit Herrn Dohm realisiert. In guter Gesprächsathmosphäre haben wir Sicherheitsanforderungen bezogen auf Fans mit Seheinschränkungen benannt, die in einen Forderungskatalog einfließen, den die BBAG der DFL und dem DFB vorlegen wird.

 Für die Zukunft wird es wichtig sein, neue Mitglieder, möglichst auch jüngere Fußballfans, anzuwerben. Die Öffentlichkeitsarbeit muss intensiviert und die finanzielle Situation stabilisiert werden.

 Wir möchten allen, die den Fanclub Sehhunde unterstützt haben, herzlich für ihren Einsatz danken. Alle haben einen wertvollen Beitrag zur Integration blinder und sehbehinderter Fußballfans in die Gesellschaft im Allgemeinen und in die Gemeinschaft der Fußballfans im Besonderen geleistet.