Startseite > Über uns > Tätigkeitsbericht > Tätigkeitsbericht für das Jahr 2011

Tätigkeitsbericht für das Jahr 2011

In der laufenden Arbeit eines Vereins gibt es Tätigkeiten, die permanent durchgeführt werden müssen, um den Grundstein zur Erfüllung der satzungsgemäßen Ziele zu legen. Diese sollen zunächst dargestellt werden. Die anschließenden Abschnitte sind herausragenden Ereignissen, besonderen Projekten u.ä. gewidmet.

Die Zahl der Vereine, die in den diversen Ligen Sitzplätze mit Spielreportage anbieten, wird erfreulicherweise immer größer. Der Fanclub sehhunde hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, die Teilhabe Blinder und Sehbehinderter Menschen am Fußball dadurch zu verbessern, dass die spezielle Spielreportage unter Berücksichtigung eines gewissen Standards im jeweiligen Stadion angeboten wird. Dazu sind immer wieder Gespräche mit den Reportern notwendig, um Anregungen zu geben bzw. deren Fragen zu beantworten. Einerseits steht hierfür das bundesweite Reporterseminar zur Verfügung, das der Fanclub Sehhunde gemeinsam mit der DFL durchführt. Andererseits haben die Reporter auch immer wieder individuellen Beratungsbedarf. Problematisch ist auch, dass die Reporter häufig von den Vereinen gar nicht auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Die Besucher, die großenteils noch nie eine Reportage im Stadion gehört haben, sind froh über die Angebote und kaum in der Lage, den Reportern Verbesserungen vorzuschlagen oder anderweitige Hilfestellungen zu geben.

Die Besuche der laufenden Blindenplatzangebote sind über dies auch deshalb wichtig, da in den Stadien technische Mängel sowohl von den Nutzern als auch von den Betreibern in Kauf genommen werden, die den Nutzern nicht zugemutet werden sollten. Die Bandbreite reicht von kleinen Tonunreinheiten bis zu komplettem Ausfall der technischen Ausrüstung. Auch kommen immer wieder Probleme bei der Ticketvergabe vor. Da wir insgesamt von den blinden und sehbehinderten Stadionbesuchern wenig Rückmeldungen erhalten, werden wir auf diese Probleme nur im Rahmen unserer Stadionbesuche aufmerksam. Die sich daraus ergebenden Fakten werden möglichst mit dem jeweiligen Verein oder Stadionbetreiber besprochen. Auch die deutsche Fußballliga erhält im Rahmen unserer turnusmäßigen Gespräche eine Rückmeldung darüber.

Obgleich die angebotenen Sitzplätze mit spezialreportage immer mehr werden, gibt es noch immer Vereine, die trotz enormen Zuschauerpotentials diese Art von Service noch nicht installiert haben. Hier gilt es, für die betroffenen Fans die Teilhabemöglichkeit zu schaffen und die entscheidenden Stellen von der Notwendigkeit zu überzeugen.

Weiterhin finden auch die turnusmäßigen Gespräche mit der DFL statt. Im Rahmen des Projektes "barrierefreie Bundesliga" werden anstehende Probleme erörtert und Möglichkeiten zur Verbesserung der Teilhabe blinder und sehbehinderter Fußballfans erarbeitet. Ein fester Bestandteil ist auch immer die Weiterentwicklung und Durchführung des Reporterseminars.

Das Audiomagazin "Blickpunkt Fußball" liefert nach wie vor speziell aufbereitete Hintergrundinformationen rund um den Fußball, Informationen zu den Blindenplätzen in den Stadien und interne Vereinsmitteilungen. Die Zusammenstellung und Vervielfältigung stellen ebenfalls einen wichtigen Teil der immer wiederkehrenden Vereinstätigkeiten dar.

Zur umfassenden Teilhabe am Fußball gehört auch der Austausch mit anderen Fans. Um dies zu gewährleisten hat der Fanclub Sehhunde in Hamburg das alljährliche Begegnungswochenende rund um den Fußball durchgeführt. Neben der Mitgliederversammlung wurde ein Programm angeboten, das auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Fußballfans abgestimmt war, aber auch für die Teilnehmer ohne Behinderung viel Interessantes bot. Neben den diversen Aktivitäten, wie z.B. einem Blindenfußballworkshop und einem obligatorischen Stadionbesuch war viel Raum zum Kennenlernen und für Gespräche gegeben. Das Programm wurde durch fußballbezogene Fachvorträge und Gesprächsrunden sowie einen offenen Begegnungsabend für Menschen mit und ohne Behinderung abgerundet. Diese Begegnungswochenenden sind wichtig, da Menschen mit Seheinschränkungen in einem geeigneten Rahmen leichter Kontakte zu Menschen ohne Behinderung sowie untereinander knüpfen und vertiefen können. Tragfähige Verbindungen zu Fans ohne Behinderung helfen, die Teilhabe am Fußball und auch insgesamt am Leben der Gemeinschaft zu sichern. Das gemeinsame Interesse am Fußball stellt eine Brücke dar, die die Menschen auch in anderen Lebenszusammenhängen zusammenführen kann.

Der Fanclub Sehhunde berät Vereine, Stadionbetreiber sowie mitunter auch andere Interessierte zur Installation von Sitzplätzen für Blinde und Sehbehinderte in einem Fußballstadion. Exemplarisch sei hier das Angebot in der Esprit Arena in Düsseldorf genannt. Der dort tätige Arbeitskreis hat mehrfach von uns eine telefonische Beratung in Anspruch genommen. Anlässlich unseres Besuches in der Esprit Arena konnten wir feststellen, dass unsere Empfehlungen weitestgehend umgesetzt wurden. Allein die Reporter wiesen einen gewissen Beratungsbedarf auf. Es konnte schon am Spieltag ein gutes Gespräch geführt werden. Es wurde die Bereitschaft signalisiert, am bundesweiten Reporterseminar von DFL und Fanclub Sehhunde teilzunehmen.

Ein Großereigniss stellte die Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011 dar. Der Fanclub Sehhunde war wie auch schon anlässlich des Turniers der Männer 2006 daran beteiligt, die Ticketvergabe sehbehindertengerecht zu organisieren und dahingehend zu beraten, dass die Aufenthaltsbedingungen blinder und sehbehinderter Stadionbesucher so komfortabel wie möglich sind. Dazu gehört vor allem, dass die spezialreportage auch dann in guter Qualität angeboten werden kann, wenn aus organisatorischen Gründen die Sitzplätze mit Spielreportage nicht dort angesiedelt sind, wo sie im Ligabetrieb meist zufriedenstellend betrieben werden. So musste z..B. vermehrt darauf hingewiesen werden, dass die genutzten technischen Anlagen nicht problemlos im gesamten Stadion funktionieren.

Auch 2011 gab es wieder Spielstätten, an denen keine Blindenplätze angeboten werden. Der Fanclub Sehhunde war den Organisatoren behilflich, erfahrene Reporter aus anderen Stadien dort hin zu entsenden.

Im April 2011 fand das turnusmäßige Zusammentreffen mit der DFL statt. Neben den Aufenthaltsbedingungen blinder und sehbehinderter Stadionbesucher sowie der Qualitätsverbesserung bezüglich der spezialreportage wurden vorausschauend auch die Planung und Vorbereitung des nächsten Reporterseminares in Angriff genommen.

Aus einer Studenteninitiative entstand an der Sporthochschule Köln ein bislang einmalig durchgeführtes Kurzseminar zur Einführung von potentiellen Blindenreportern in ihre Tätigkeit. Den Anstoß dazu gab Herr Henning Brinkmann, der mit einigen Kommilitonen eine Hausarbeit zum Thema geschrieben hatte. Auf seine Initiative hin kam ein Kurs zu Stande, in dessen Rahmen 8 Studenten zunächst durch Herrn Burkhard Hupe die Grundzüge einer Radioreportage nahegebracht wurden. Im nächsten Schritt vermittelte Björn Nass, der schon seit Jahren in Leverkusen die Blindenreportage durchführt, die speziellen Anforderungen an die Blindenreportage. Der Fanclub Sehhunde hat gemeinsam mit Herrn Naß eine Abschlussprüfung abgenommen. Die Prüfungsaufgabe bestand darin, ein Spiel anhand von Fernsehbildern zu Reportieren. Da diese Laborsituation sich auch im Rahmen der bundesweiten Reporterseminare immer als schwierig erwiesen hat, sollen die Studenten, die daran Interesse haben, noch einmal live Spiele in Stadien Reportieren, wo keine Blindenplätze vorgehalten werden. Ein Absolvent konnte auf unsere Vermittlung hin bereits im Laufenden Projekt in Aachen untergebracht werden. Wir hoffen sehr, dass sich auch für die anderen bald ein Platz finden wird.

Im Juli fand in Hamburg das Vorbereitungstreffen für das Reporterseminar gemeinsam mit der DFL, Herrn Trede, der auch in der Vergangenheit als Dozent die Schulung betreut hat, sowie Herrn Bliemelsrieder, der die Reporter vertreten hat, statt. Der Fanclub Sehhunde sollte die mittlerweile obligatorische Sensibilisierungseinheit gestalten. Darüber hinaus wurden die Grundzüge für das Tagungsprogramm festgelegt.

Das für September geplante Seminar musste leider abgesagt werden, da aus verschiedensten Gründen zu wenig Anmeldungen bei der DFL verzeichnet werden konnten. Da in der Rückrunde der Saison 2011/12 kein spielfreies Wochenende zur Verfügung steht, muss das Seminar in die kommende Spielzeit verschoben werden.

Da es im Profifußball noch immer Vereine gibt, die noch keine Blindenplätze anbieten, wurde im August 2011 noch einmal eine Postaktion gestartet. Neben einem ausführlichen Anschreiben erhielten ausgewählte Vereine mit großem Zuschauerpotential ein Merkblatt mit unseren Empfehlungen zur Einrichtung von Blindenplätzen sowie die zu diesem Thema mit der DFL und der BBAG erarbeiteten Broschüre.

Im September 2011 hat der Fanclub Sehhunde an einem internationalen Kongress zum Thema Barrierefreiheit in Stadien teilgenommen. Veranstalter war Cafe. Dieser Verband soll, gefördert durch die UEFA die Rechte von Fußballfans mit Behinderung stärken. Um Teil des Netzwerkes zu werden, haben wir uns im Rahmen der Veranstaltung entschlossen, uns Cafe anzuschließen. So wird es mittel bis langfristig vielleicht möglich sein, die Teilhabe blinder und sehbehinderter Fußballfans auch über Deutschlands Grenzen hinaus zu verbessern bzw. überhaupt erst zu ermöglichen. Auch wollen wir uns möglichst darum bemühen, den in Deutschland geschaffenen Standard auch in anderen Ländern zu verwirklichen.

Für die Zukunft wird es wichtig sein, neue Mitglieder, möglichst auch jüngere Fußballfans, anzuwerben. Die Öffentlichkeitsarbeit muss intensiviert und die finanzielle Situation stabilisiert werden.

Wir möchten allen, die den Fanclub Sehhunde unterstützt haben, herzlich für ihren Einsatz danken. Alle haben einen wertvollen Beitrag zur Integration blinder und sehbehinderter Fußballfans in die Gesellschaft im Allgemeinen und in die Gemeinschaft der Fußballfans im Besonderen geleistet.