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Tätigkeitsbericht für den Zeitraum April 2015 bis Februar 2016

Vorwort

Zunächst sollen die Tätigkeiten umrissen werden, die die Vereinsarbeit dauerhaft bestimmen, damit die satzungsgemäßen Ziele erreicht werden können. Nachfolgend werden Eckpunkte aufgeführt, die besondere Ereignisse oder Projekte beschreiben.

Fortlaufende Tätigkeiten

Das Clubmagazin "Blickpunkt Fußball" wird nach wie vor im Audioformat als Daisy-CD an die Mitglieder versandt und informiert über Themen rund um den Fußball sowie über vereinsinterne Inhalte. Ein wichtiges Thema sind nach wie vor die Berichte über die Blindenplätze in den Fußballstadien. Der Dank des Vorstands gilt Herrn Hermann Schink, der diese Aufgabe mit großem Engagement durchführt. Außerdem danken wir seiner Frau Ursula, die ihn nach Kräften, insbesondere beim Versand des Magazins unterstützt.

Ein wichtiger Baustein der Vereinsarbeit sind nach wie vor die Sitzplätze mit Spielreportage. Zum Kennenlernen der Projekte und der Reporter sowie zur Qualitätssicherung sind Besuche in den einzelnen Stadien unerlässlich. Jedes Mitglied trägt durch seine Spielbesuche und Rückmeldung an den Vorstand etwas zu diesem wichtigen Punkt bei. Unerlässlich ist an dieser Stelle auch der stabile Kontakt zum "Awo Kompetenzzentrum Blindenreportage im Sport".

Die Inklusion ist politisch in allen Lebensbereichen gewünscht. Dadurch eröffnen sich auch Möglichkeiten, blinde und sehbehinderte Fans an die Gemeinschaft der Fußballfans heranzuführen und mittel bis langfristig hier und da Beispiele für eine gelungene möglichst umfassende Teilhabe zu realisieren. Erste Versuche in diese Richtung hat die Fanclubleitung auf Basis persönlicher Kontakte zu einzelnen Fans und Fanverbänden im Berichtszeitraum unternommen. Die Eindrücke werden in ein Konzept einfließen, das mittel- bis langfristig umgesetzt werden soll. Diese Idee wurde somit direkt in die Planung des Begegnungswochenendes 2016 einbezogen.

Zur Inklusion in die Gemeinschaft der Fußballfans gehört es auch, dass die Internetauftritte der Clubs sowie deren Publikationen barrierefreier werden. Vereinzelt gibt es hier immer wieder Bemühungen. Es zeigt sich aber schon jetzt, dass eine Menge Aufklärungsarbeit nötig sein wird. Auch die Umsetzung wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Insbesondere Herr Gerhard Stoll hat hier intensive Bemühungen in Richtung der Homepage von Bayer 04 Leverkusen und dessen Vereinsmagazin betrieben.

Weiter gibt es bei immer mehr Fußballvereinen Arbeitskreise, um Barrieren zu mindern oder gar zu beseitigen und gleichzeitig die Teilhabemöglichkeiten für Fans mit Behinderung zu verbessern sowie auf die Situation dieser Fans aufmerksam zu machen. Unser Mitglied Pina dolle nimmt regelmäßig am Arbeitskreis Inklusion beim HSV teil und vertritt dort die Interessen blinder und sehbehinderter Stadionbesucher. Wir danken ihr für Ihren Einsatz.

Nach dem Beitritt zur BBAG ist es für den Fanclub Sehhunde noch immer schwierig, sich einzubringen und die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass eine Interessenvertretung sinnvoll möglich ist. Dies liegt zum einen daran, dass die BBAG aufgrund personeller Veränderungen bei der DFL die Zusammenarbeit neu strukturieren muss, und andererseits bei der BBAG selbst durch das anstehende Ausscheiden des 1. Vorsitzenden, Jochen Dohm, große Veränderungen anstehen. Die weitere Entwicklung muss hier abgewartet werden. Natürlich sind wir bemüht, die Situation positiv zu gestalten.

Um die finanzielle Situation des Vereins zu stabilisieren, hat die Fanclubleitung sich darum bemüht, ein Fundraising aufzubauen. Der Plan war und ist nach wie vor, dass der Fanclub Sehhunde hier von Studenten, z.B. an der Sporthochschule Köln, im Rahmen eines Projektes unterstützt wird. Das Vorhaben konnte aus personellen Gründen an der Sporthochschule noch nicht umgesetzt werden. Der Vorstand wird sich für die Zukunft darum bemühen, mit Dozenten an Hochschulen o.ä. in Kontakt zu kommen, um den Fanclub Sehhunde dort anzubinden.

Ein immer größeres Thema wird auch die Audiodescription im Rahmen von Fernsehübertragungen. Hier geht es zunächst einmal darum, dass der Weg, den die ARD zunächst beschritten hat, mehr als ungeeignet ist. Wie sich bereits bei Einführung der Blindenreportage in den Stadien zeigte, ist eine Radioreportage i.d.R. nicht geeignet, um die Nutzer umfassend über das Spielgeschehen zu informieren. Gleiches zeigte sich auch im Rahmen der Audiodescription im Fernsehen. Da die Radioreportage sich nicht am Fernsehbild orientiert, kann sie in keiner Weise als bildbegleitendes Angebot im Sinne der Barrierefreiheit von Fernsehübertragungen gelten. Dies hat der Fanclub Sehhunde nach Möglichkeit auch verschiedentlich deutlich gemacht. Gleichwohl ist es erfreulich, dass die Sendeanstalten sich der Thematik annehmen.

Zu guter Letzt versteht es sich von selbst, dass die Kontakte zu Freunden und Unterstützern der Sehhunde permanent gepflegt werden müssen. Auch neue Kontakte müssen angebahnt und stabilisiert werden. Nur so ist eine sinnvolle und bedarfsorientierte Interessenvertretung möglich.

Begegnungswochenende beim FSV Frankfurt

Das Begegnungswochenende 2015 fand beim FSV Frankfurt statt. Den Teilnehmern sollte in erster Linie die besondere Atmosphäre des kleinen gemütlichen Stadions nahegebracht werden. Außerdem sollte die Einrichtung der Blindenplätze durch unseren Besuch besonders gewürdigt werden. Zu Beginn der Veranstaltung am Freitagabend konnten wir Gerald von Gorrissen von der Abteilung für Fanangelegenheiten des DFB begrüßen, der offen und ausführlich alle Fragen beantwortete und auch Diskussionen nicht scheute. Am Samstagvormittag berichtete Henning Brinkmann, der vielen als erfahrener Blindenreporter bekannt ist, über seine berufliche Tätigkeit im Marketing der DFL. Der Stadionbesuch wurde durch eine Talkrunde mit Benno Möhlmann, derzeit Cheftrainer des FSV Frankfurt, abgerundet, der die beiden Vorsitzenden des Fanclubs Sehhunde schon seit Jahren kennt und daher auch gern den Wunsch erfüllte, das Begegnungswochenende mit zu gestalten. Den Abschluss des Begegnungswochenendes bildete die Mitgliederversammlung. Wir danken dem Fanbeauftragten des FSV Frankfurt, Michael Stein, und seinen Mitarbeitern, ohne deren Hilfe die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre. Es ist besonders zu erwähnen, dass es einem kleineren Verein aufgrund geringerer personeller Kapazitäten immer wesentlich schwerer fällt, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen bzw. zusätzliche Veranstaltungen zu organisieren und zu realisieren. Natürlich danken wir auch Herrn von Gorrissen, Herrn Brinkmann und Herrn Möhlmann für ihr Engagement.

Besuche der Blindenplätze und Zusammenarbeit mit den anbietenden Vereinen

Wie bereits ausgeführt, trägt jedes Vereinsmitglied durch seine Spielbesuche dazu bei, über die Angebote in den Stadien gut informiert zu sein. Erfreulicherweise hat der Vorstand auch immer wieder die Möglichkeit, gemeinsam mit Vereinen, die ihre Blindenplätze planen, schon frühzeitig in Kontakt zu kommen und zusammen die Projekte zu entwickeln. Als ein hervorragendes Beispiel ist hier der SC Freiburg zu nennen. Schon im vorangegangenen Berichtszeitraum wurde alles Nötige angebahnt, so dass die Blindenplätze in sehr guter Qualität in Betrieb genommen werden konnten. Davon haben sich die beiden Vorsitzenden im April 2015 vor Ort überzeugen können. Ähnlich stellte sich die Situation bei RB Leipzig dar. Dort hatte der Fanclub Sehhunde über einen längeren Zeitraum eine Studentin im Rahmen einer Abschlussarbeit unterstützt, an Hand derer dann die Blindenplätze umgesetzt wurden. Den dort schon lange zugesicherten Besuch statteten die Vorsitzenden im Dezember 2015 ab. Gleiches gilt auch für Holstein Kiel. Die Behindertenfanbeauftragten sowie deren Kooperationspartner hatten regelmäßig Kontakt zum Fanclub Sehhunde gehalten, um auf vorbildlicher Basis auch in der 3. Liga ein umfassendes und fachlich fundiertes Angebot für Blinde und Sehbehinderte vorzuhalten.

Teilnahme am Tag der Begegnung

Am Stand des Fanprojekt 1991 e.V., der Fanorganisation des 1. FC Köln, haben die Vorsitzenden am Tag der Begegnung teilgenommen, den der Landschaftsverband Rheinland ausgerichtet hat. Es wurde Informationsmaterial über den Fanclub Sehhunde ausgelegt. Außerdem bot diese Veranstaltung gute Möglichkeiten, mit vielen potenziellen Unterstützern, auch außerhalb des Fußballs, in Kontakt zu kommen.

Jahrestagung der BBAG

In diesem Jahr haben die beiden Vorsitzenden an der Jahrestagung der BBAG teilgenommen. Neben den Formalien der Mitgliederversammlung des Vereins gab es ein Grundsatzreferat zum juristischen Umgang mit Karten für Begleitpersonen behinderter Fans. Außerdem wurden diverse Workshops zur Rolle der Behindertenfanbeauftragten, sowie zu unterschiedlichen behinderungsspezifischen Themen angeboten. Daneben gab es ausreichend Möglichkeit zur Kontaktpflege.

Unterstützung für Projekte mit Schwerpunktthema Inklusion und Sport

Die Inklusion ist politisch gewollt und somit auch in aller Munde. Dies schlägt sich auch darin nieder, dass den Fanclub Sehhunde vermehrt Anfragen mit der Bitte um Unterstützung erreichen. Hierbei handelt es sich vornehmlich um studentische Projekte wie Abschluss- oder Semesterarbeiten. Aber auch mediale Privatinitiativen wie z.B. digitale Radiosender nehmen verstärkt Kontakt auf. In diesem Zusammenhang wurden 2 Studenten im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten zum Thema Sport und Behinderung unterstützt. Mit einer Studentengruppe der Sporthochschule Köln besuchten die Vorsitzenden das Rheinenergiestadion, so dass die StudentInnen einerseits die Möglichkeiten zur Teilhabe durch die Blindenreportage, aber auch die Einschränkungen durch Barrieren im Stadion oder auch im ÖPNV erleben konnten. Ein ausführliches Interview rundete das Projekt ab. Stellvertretend für die digitalen privaten Radiokanäle ist das Hochschulradio Düsseldorf zu nennen. Im dortigen Interview ging es um die Möglichkeiten der Blindenreportage, der Audiodescription im Rahmen von Fernsehübertragungen und um den Fanclub Sehhunde im Allgemeinen.

Begegnungswochenende 2016

Bereits im August 2015 wurde der Grundstein für das Begegnungswochenende in Köln gelegt. Im Rahmen eines Zusammentreffens mit Markus Ritterbach. Vizepräsident des 1. FC Köln, erklärte dieser seine Bereitschaft, den Fanclub Sehhunde zu unterstützen. Sowohl der 1. FC Köln als auch das Festkomitee Kölner Karneval erwiesen sich als wohlwollende und tatkräftige Kooperationspartner.

Kapazität an den Blindenplätzen

Leider ist es in diversen Stadien der Fall, dass die Anzahl der Blindenplätze nicht der Anzahl der Nutzer gerecht wird. Leider ist auch festzustellen, dass sich die Vereine sehr schwer damit tun, die Plätze zu erweitern und sinnvolle Vorverkaufsbedingungen zu kreieren. Erfreulicherweise ist der 1. FC Köln hier mit gutem Beispiel voran gegangen. Dort stehen nunmehr 30 Blindenplätze zur Verfügung. Leider war der Verein gezwungen, eine völlig neue übertragungsanlage anzuschaffen, weil die Vorhandene nicht mehr ausbaufähig war, was einen erheblichen finanziellen Aufwand bedeutet. Wir danken dem Verein im Namen der Nutzer für seinen Einsatz. Der Fanclub Sehhunde war, vertreten durch die beiden Vorsitzenden, nicht nur am Test der neuen Anlage unter Spieltagsbedingungen beteiligt, sondern auch lange vor dem Ausbau des Angebotes an der Aushandlung und Definition der Vorverkaufsregelung. Hierauf wurde im vorherigen Tätigkeitsbericht eingegangen.

Runder Tisch der Blindenfanclubs bei der BBAG

Im Rahmen des Treffens ging es vornehmlich um einen Fragebogen, der zukünftig in den Stadien verteilt und ausgefüllt werden soll. Das Instrument dient der Qualitätssicherung an den Blindenplätzen. Wer die Daten in welcher Weise auswertet, ist derzeit noch offen. Daneben wurden diverse Themen diskutiert, die blinde und sehbehinderte Fans im Rahmen der Stadionbesuche betreffen.

Reporterseminar 2016

Der gesamte Vorstand des Fanclubs Sehhunde hat am bundesweiten Reporterseminar der DFL in der Sportschule Kaiserau teilgenommen. Im Rahmen der Workshops, aber auch im persönlichen Gespräch hatten wir reichlich Gelegenheit, mit Reportern zu sprechen, deren Fragen zu beantworten etc. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist vor allem zur Kontaktpflege wichtig, weil dort viele Blindenreporter zusammen kommen.

Workshop beim NDR zur Audiodescription

Im Januar 2016 hatte der Fanclub Sehhunde, vertreten durch Pina Dolle und Nina Schweppe die Gelegenheit, am einem Workshop des NDR zur Audiodescription von Fußballspielen teilzunehmen. Der NDR sendet seit Beginn der Hinrunde der Saison 2015/2016 Spiele der 3. Liga mit Audiodescription. Dabei sind sowohl ausgebildete Journalisten als auch erfahrene Blindenreporter beteiligt. Am Vormittag hatten die Sehhunde die Gelegenheit, die Sendungen aus der Vergangenheit zu kommentieren und die Bedürfnisse und Wünsche an eine geeignete Bildbeschreibung zu definieren. Der Nachmittag war der Reflektion der 3 bereits gesendeten Spiele vorbehalten. Hörbeispiele wurden bewertet, Fehler analysiert und Möglichkeiten zur Verbesserung erarbeitet. Außerdem wurden die Grenzen der Spielbeschreibung, die sich aus der Kameraführung ergeben, erörtert. Dazu muss gesagt werden, dass die Bildbeschreiber nicht im Stadion, sondern in einem Studio an einem Bildschirm sitzen. In der Zukunft wird der Fanclub Sehhunde, zumindest was den NDR betrifft, weiter an diesem Thema mit arbeiten.

Schlussbemerkung

Wir möchten allen, die den Fanclub Sehhunde unterstützt haben, herzlich für ihren Einsatz danken. Alle haben einen wertvollen Beitrag zur Integration blinder und sehbehinderter Fußballfans in die Gesellschaft im Allgemeinen und in die Gemeinschaft der Fußballfans im Besonderen geleistet.