Nachsitzen für den Dino

von Udo Hartmann

Pfingstsonntag, der 24.05.2015: In meinem Posteingang befand sich eine Mail von einem Bekannten und regelmäßigem Begleiter zu Fußballspielen. Sein HSV schaffte es wie in der Vorsaison wieder nur auf Platz 16 und muss deshalb in der Relegation gegen den 3. Der 2. Bundesliga nachsitzen. Wer das sein würde, sollte sich erst am Nachmittag entscheiden, wenn auch die 2. Bundesliga ihren letzten Spieltag hinter sich gebracht hat. Darmstadt, Karlsruhe und Kaiserslautern waren die möglichen Gegner und weil er der Meinung war, dass das vom Rhein-Main-Gebiet aus alles gut zu erreichen sei, bat er mich, dass ich mal die Fühler nach Karten ausstrecken sollte.

Am Pfingstmontag, als zwischenzeitlich ja feststand, dass die Reise uns nach Karlsruhe führen könnte, schrieb ich den Behindertenbeauftragten des KSC an und bat um Karten für das Relegationsrückspiel am 01.06.2015. Knapp eine Stunde später erhielt ich die Antwort, dass die Karten für uns reserviert seien.

Nun ging es an die Planung. Das Spiel würde um 20:30 Uhr angepfiffen werden. Der Weg zum Stadion ist deshalb etwas schwierig, weil von der Haltestelle der Straßenbahn bis zum Stadion noch ein knapp halbstündiger Fußmarsch zurück zu legen ist. Dieses galt es auch bei der Planung für die Rückfahrt zu berücksichtigen. Da war es nur gut, dass die Polizei darum bat, das Spiel vorzuverlegen. Somit war schon um 19 Uhr Anpfiff. Gut für uns. Eine mögliche Verlängerung einkalkulierend hätte das sonst bedeutet, dass wir wohl erst um kurz nach Mitternacht eine Straßenbahn an den Hauptbahnhof bekämen und die Nacht in diversen Zügen verbringen dürfen. So aber sollten wir trotz Verlängerung die Straßenbahn um 22:47 Uhr erreichen. Die Hinfahrt galt es aber nun gleichfalls vorzuverlegen.

So endete mein Arbeitstag am 01. Juni bereits um 14:30 Uhr. Wir trafen uns am Mainzer Hauptbahnhof und fuhren mit einem Regionalexpress, in dem wir schon auf die ersten HSV-Fans stießen, nach Mannheim, wo wir eine halbe Stunde Aufenthalt hatten, bevor es mit einem ICE weiter nach Karlsruhe ging. Von dort aus dann noch 10 Minuten mit der Straßenbahn und einer Wanderung durch den Schlossgarten und wir befanden uns tatsächlich schon vorm Stadion. Hier musste dann noch der Treffpunkt ausfindig gemacht und die Karten abgeholt werden, bevor wir endlich auf unseren Plätzen in der 1. Reihe auf der Haupttribüne angekommen waren.

Kurz vor dem Anpfiff gab es dann für mich noch die Technik, um der Reportage lauschen zu können. Die Reportage war sehr gut. Gerade in der Anfangsphase war der Gast überlegen und spielte sich so manche Gelegenheit und Ecke heraus. Da diese aber alle nicht genutzt wurden, stand es folgerichtig zur Pause noch immer 0:0. Das würde dem KSC nach dem 1:1 in Hamburg ja reichen, um aufzusteigen. In der 2. Halbzeit mehrten sich die Chancen des KSC, was dann in der 78. Minute auch mit dem 1:0 durch Yabo untermauert wurde. Der Dino befand sich nun mit eineinhalb Beinen in der 2. Bundesliga. Vom Spiel war von unseren Plätzen aus nun nichts mehr zu sehen, da nun sehr viele KSC-Fans vor uns standen. Gleiches galt für die Polizei. Es war so ziemlich 20:45 Uhr, als mein Begleiter meinte, dass es ihm reiche und er keine Lust auf die KSC-Party hätte. Also befreite ich michvon der Technik und wickelte das Kopfhörerkabel auf, was wegen seiner Länge etwas dauerte. Nun ging es noch die eine Stufe nach unten und wir könnten gehen. Just in diesem Moment kamen für uns wegen der fehlenden Sicht nicht näher einzuordnende Jubelschreie aus dem Gästeblock an unsere Ohren, weshalb ich etwas zögerte. Dann der Stadionsprecher, der das 1:1 durch Diaz, der in der ersten Minute der Nachspielzeit einen Freistoß direkt verwandelt hatte, verkündete. Mein Begleiter zeigte keinerlei Reaktion, weshalb ich zu ihm sagte, dass er sich wieder hinsetzen solle. „Aber wir wollen doch gehen“ war seine Reaktion. Darauf meinte ich nur, dass es Verlängerung gäbe. Da war endlich auch ihm klar, was los ist. Weil er aber nun nichts mehr vom Spiel mitbekam, ging er soweit es ihm möglich war ebenfalls an die Absperrungen vor, während ich mich erneut verkabelte. So sah er dann in der 115. Minute das 1:2 durch Müller, was mir die beiden Reporter über die Technik schilderten. Nach dem Abpfiff war er dann glücklich, aber ziemlich mitgenommen wieder bei mir und wir traten die Rückreise an.

Auf etwas anderen Wegen und auch an eine andere Haltestelle der Straßenbahn ging es durch den Schlossgarten zurück an den Hauptbahnhof, wo wir noch eine Kleinigkeit aßen. Um 23:14 Uhr – also mit zehnminütiger Verspätung – fuhren wir dann nach Mannheim, wo wir fünf Minuten Umstiegszeit hatten, was dann schon mal wieder für Spannung sorgte. Doch bis Mannheim wurde ausreichend Zeit aufgeholt, so dass wir unseren Anschlusszug noch gerade so bekamen. Die gleiche Spannung gab es dann noch einmal am Frankfurter Flughafen, wo mein Begleiter mich verließ, um nach Wiesbaden weiterzufahren. Trotz Ankunft um 00:30 Uhr und Abfahrt seines Zuges um 00:27 Uhr hat er aber auch diesen Zug erreicht. Als ich mit dem Zug dann wenig später am Frankfurter Hauptbahnhof ankam, gab es allerdings nur die Möglichkeit, mich vier Stunden zu gedulden, bis der 1. Zug nach Maintal gehen würde, oder aber mit dem Taxi nachhause zu fahren. Ich entschied mich für das Taxi und war so um kurz nach ein Uhr wieder zuhause. So endete ein langer, aber erfolgreicher Tag, der am Montagmorgen bereits um 04:30 Uhr begann. Gut nur, dass ich am Dienstag nicht auf die Arbeit musste.

Udo Hartmann

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