Inklusionsspieltag beim HSV - Sehhunde aktiv dabei!

von Pina

Beim Volksparkett Broder Jürgen Trede (2. von links) und Giuseppina Dolle (2. von rechts) im Gespräch mit den Moderatoren
Beim Volksparkett Broder Jürgen Trede (2. von links)
und Giuseppina Dolle (2. von rechts) im Gespräch

Anlässlich des Bundesligaspiels zwischen dem HSV und der TSG Hoffenheim organisierte die Inklusionsbeauftragte des HSV, Fanny Boyn, mit dem Ständigen Arbeitskreis Inklusion (SAI), der Fan-betreuung und anderer Mitarbeiter des HSV den Inklusionsspieltag. Ziel war es, Fans mit Behinderungen und ihre Möglichkeiten und Grenzen, das Geschehen im Stadion wahrzunehmen, in die Öffentlichkeit zu tragen und Bewusstsein für die Gruppe behinderter Fans innerhalb und außerhalb des HSV zu schaffen. Ich vertrete seit knapp einem Jahr im SAI die Belange blinder und sehbehinderter Fans und werde hierbei von Broder Jürgen Trede, Vorreiter und Mitentwickler der Standards für eine Reportage für Blinde bei Live-Spielen, unterstützt. Seiner Beharrlichkeit und Organisation verdanken wir die Anschaffung einer neuen, modernen Anlage zur Übertragung der Spiele durch den HSV in der laufenden Saison. Durch diese Anlage ist es möglich, weiter entfernte Plätze mit der Übertragung zu erreichen, sodass nun die blinden Nutzer neben ihren Begleitungen sitzen und das Spiel gemeinsam erleben können.

Auf dem Weg vom Volksparkett zur Blindentribüne Gewinner Chris (rechts) mit Begleiter Broder
Auf dem Weg vom Volksparkett zur "Blindentribüne":
Gewinner Chris (rechts) mit Begleiter Broder

Doch zurück zum 19.03.2016: Anlässlich des Inklusionsspieltages, für den der HSV in der Spielwoche auf seiner Homepage und in den sozialen Medien ordentlich warb, verloste der HSV zwei Tickets auf der "Blindentribüne". Zwei sehende Fans hatten die Möglichkeit, das Spielgeschehen unter einer Dunkelbrille via Kopfhörer wahrzunehmen, die Wege im Stadion "blind", aber in Begleitung, zu bewältigen und Kontakt zu Reportern und sehbehinderten Nutzern zu knüpfen. Und hier hatte ich meine erste Aufgabe: Am Treffpunkt, an der Ticketbox am Nord-Osteingang um 13:30 Uhr, an dem ich mit meiner Begleitung auf die Gewinner und aufs Reporterteam traf, versorgte ich die Gewinner mit Dunkelbrille, Langstock und Armbinde und gab Tipps zu Begleittechniken und Nutzung des Langstockes weiter.

Stadionshow: Lotto King Karl (rechts) interviewt Sehhund Riko (Mitte) und Reporterin Lena (links)
Stadionshow: Lotto King Karl (rechts) interviewt
Sehhund Riko (Mitte) und Reporterin Lena (links)

Zunächst ging unsere Gruppe auf die Westseite, um am Volksparkett, dem "Aufwärmprogramm" für Fans von 14:00 bis 15:00 Uhr teilzunehmen. Denn diesmal bildete der Inklusionsspieltag auch den Themenschwerpunkt beim Volksparkett. Nachdem die Moderatoren die Fans begrüßt und das bevorstehende Programm vorgestellt hatten, betrat ich mit Broder gemeinsam die Bühne. In einem Gespräch stellten wir die Reportage für nichtsehende Fans vor. Während Broder zur Organisation, der Reportervorbereitung und der inhaltlichen Abgrenzung zur Radio- und TV-Reportage informierte, stellte ich das Angebot aus Nutzersicht da und ergänzte eigene Erfahrungen mit diesem Angebot in anderen Bundesligastadien. Logisch fasste ich die Ziele und Angebote der Sehhunde zusammen, schließlich war ich, ausgestattet mit Cappi und Leibchen, als "Sehhund" und nicht als HSV-Fan sichtbar unterwegs.

Ein Traum wird wahr: Riko auf dem Platz, im Hintergrund sein HSV!
Ein Traum wird wahr: Riko auf dem Platz, im Hintergrund
sein HSV!

Während nachfolgend meine Mitstreiter im SAI, Holger, Björn und Horst, unsere Arbeit vorstellten und hierbei die Gruppen der Rolli-Fahrer, Gehörlosen und Menschen mit Lernschwierigkeiten repräsentierten und später noch Fanny mit Frank Wettstein vom HSV-Vorstand den Moderatoren Rede und Antwort standen, traten wir den Weg Richtung Osttribüne an, um im sich stetig füllenden Stadion unsere Plätze einzunehmen - die Ticket-Gewinner wieder in Begleitung, jedoch "blind". Für mich galt es jetzt, selbst in die "Reporterrolle" zu schlüpfen. Denn unser CD-Magazin "Blickpunkt Fußball" sollte mit O-Tönen von diesem Inklusionsspieltag versorgt werden - und so interviewte ich Gewinner Chris zu seinen Eindrücken und Erwartungen, in der Pause dann noch zu seinem Fazit der ersten Halbzeit.

: In der Pause: Vor unseren Plätzen stehen von links nach rechts: Die Reporter Lena und Florian, Gewinner Chris, Pina und Gewinnerin Susann
In der Pause: Vor unseren Plätzen stehen von links nach
rechts: Die Reporter Lena und Florian, Gewinner Chris,
Pina und Gewinnerin Susann

Um 15:00 Uhr begann die offizielle Stadionshow auf dem Rasen - und wieder kam ein "Sehhund" und diesmal ein "ewiger" HSV-Fan zu Wort. Gemeinsam mit Reporterin Lena, erfüllte sich für Sehhund Riko sicher ein Traum: Er durfte in den Innenraum und wurde, wie auch Reporterin, Lena von Lotto King Karl höchstpersönlich interviewt. Lenas und Rikos Stimmen hallten durch das große Stadionrund, leider aufgrund der Akustik nur für "spitze, gut funktionierende Ohren" zu verstehen - ich habe solche Ohren und konnte dem Gespräch folgen. Übrigens, sowohl das Volksparkett als auch die Stadionshow wurden für höreingeschränkte Menschen durch Gebärdensprachdolmetscher übersetzt - dies hoffentlich nicht zum letzten Mal! Auch das Kind, welches bei jedem Heimspiel mit dem Stadionsprecher die Fans begrüßt, war an diesem Spieltag gehörlos und wurde durch einen Freund im Gespräch unterstützt. Darüber hinaus liefen Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam ein und zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden Banner im Stadion gezeigt, die das gemeinsame Erlebnis eines Spiels thematisierten.

Mein persönliches Fazit: Es hat viel Spaß gemacht, trotz relativ kurzer Vorbereitungszeit haben wir im Team eine gute Organisation des Tages hinbekommen und zumindest im Stadion selbst und HSV-intern sicher eine Öffentlichkeit erreicht und das eine oder andere Verständnis für unsere Belange bewirken können. Neben dem Ergebnis Ärgerte mich besonders, dass unsere Themen und Aktionen keine Erwähnung in den sogenannten großen Medien (Radio, TV und Zeitungen) fanden. Hier fehlten die großen "Wichtigmacher" DFL, Sponsoren oder die "Aktion Mensch" und ihr "Mittun" und ihre Fürsprache. Dass wir im Fußball bereits so inkluuusiv leben und handeln, dass derartige Aktionen nicht nötig und nicht der Rede wert sind... - daran glaube ich nun wirklich nicht!

Zurück