Sehhunde mittendrin – Marcel Franke in Dortmund
[22. August 2026] Marcel aus Wien ist seit über einem Jahr Mitglied bei den Sehhunden und schon seit vielen Jahren glühender Anhänger der schwarz-gelben Borussia. Am Samstag, 22. August 2026, konnte er endlich wieder ein BVB-Spiel live im Stadion erleben. Aufgrund seines Wohnorts in Österreich bietet sich ihm diese Gelegenheit nicht allzu häufig – entsprechend besonders war dieser Tag für ihn. In seinem Erfahrungsbericht schildert Marcel seine Eindrücke und Emotionen von einem Fußballtag mit gleich zwei Höhepunkten.
Fußballpaket all inclusive – Fußballmuseum am Morgen, Stadion am Abend
Der 22. August 2026 war für mich ein ganz besonderer Tag mit gleich zwei Highlights: Ich hatte das Glück, Tickets für den Franz Beckenbauer Supercup in Dortmund zu bekommen, und nutzte die Gelegenheit, auch das Deutsche Fußballmuseum zu besuchen.
Auf meinen Museumsbesuch hatte ich mich schon von zu Hause aus etwas vorbereitet und die Tickets für meine Begleiter und mich vorab online gekauft. Der Ticketkauf ist recht einfach und nach meinem Eindruck auch barrierefrei möglich. Dabei können sowohl reguläre als auch ermäßigte Tickets für Menschen mit Behinderung ausgewählt werden.
Inklusiv – Deutsches Fußballmuseum am Morgen
Das Fußballmuseum liegt unmittelbar am Dortmunder Hauptbahnhof und ist nicht zu verfehlen. Vor dem Museum befindet sich ein großer Fußball. Der Einlass ist unkompliziert und geht sehr schnell. Mit den vorab gekauften Tickets, die am Eingang gescannt werden, steht einem interessanten Museumsbesuch nichts mehr im Wege.
Die Besucher haben die Möglichkeit, einen QR-Code zu scannen und so zu einem Audioguide zu gelangen, der auf dem eigenen Smartphone angehört werden kann. Der Audioguide besteht aus zwölf Stationen und ist sehr ausführlich und interessant gestaltet. Besonders positiv fiel mir auf, dass man ihn auch später zu Hause noch einmal in Ruhe anhören kann. Das ist praktisch, denn wenn man alles ausführlich hört, verlängert sich der Museumsbesuch doch deutlich.
Alles beginnt mit einer langen Rolltreppe, die hinauf in die oberste Etage des Museums führt. Von dort an beginnt die Geschichte des deutschen Fußballs, von seinen Anfängen und der Weltmeisterschaft 1954 bis in die Gegenwart. Es werden viele Bilder gezeigt, die durch Texte gut erklärt werden. Auch der Frauenfußball kommt nicht zu kurz, obwohl ihm eher ein kleinerer Teil des Museums gewidmet ist.

Was mir besonders gefiel, waren die vielen Audiobeiträge, alten Aufnahmen und Interviews, zum Beispiel mit Franz Beckenbauer, aber auch neuere Aufnahmen aus dem Jahr der letzten gewonnenen Weltmeisterschaft 2014. Unter anderem gibt es ein sehr interessantes Interview mit Jogi Löw. Es gibt außerdem ein 3D-Kino und eine Schatzkammer, in der gewonnene Pokale teilweise als Originale, teilweise aber auch als Kopien aufbewahrt werden.
Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass die wichtigsten Pokale in Originalgröße auch als Modelle zum Ertasten zur Verfügung stehen. So können sich auch blinde und sehbehinderte Besucher einen sehr guten Eindruck verschaffen. Die Pokale sind zudem mit Blindenschrift versehen. Dort ist unter anderem zu erfahren, aus welchem Material ein Pokal gefertigt ist, wie hoch und schwer er ist und zu welchem Anlass er verliehen wurde. Hier wird Inklusion wirklich gut umgesetzt.
Auch für Rollstuhlfahrer ist das Museum durch Aufzüge gut zugänglich. Besonders positiv fiel mir außerdem die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf. Ich hatte den Eindruck, dass sie ihren Job sehr gut und auch sehr gern machen.
Für mich war der Museumsbesuch ein sehr schönes und interessantes Erlebnis. Ich finde, dass das Fußballmuseum viel für einen barrierefreien Besuch tut – vom Ticketkauf bis hin zum Besuch selbst.
Dortmund gegen Bayern – immer ein besonderes Fußballerlebnis
Am Abend ging es dann in den Tempel des Glücks. Man könnte auch Signal Iduna Park sagen. Oder das größte Stadion Deutschlands. Oder, wie es in Dortmund gern heißt: das schönste Stadion der Welt.
Es stand der Franz Beckenbauer Supercup 2026 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München an. Frank und ich reisten frühzeitig mit dem Auto zum Stadion an, weil wir wussten, dass es sich rund um das Stadion stauen würde. Das war auch bei uns der Fall. Wir kamen aber etwas mehr als eine Stunde vor Spielbeginn am Parkplatz an und gingen von dort etwa 1,2 Kilometer zum Stadion.
Im Stadion gibt es einen barrierefreien Zugang für Menschen mit Einschränkungen. Man wird an der Schlange der Wartenden, die durch die üblichen Zugänge ins Stadion gelangen, vorbeigeschleust. Auch hier war der Zugang sehr unkompliziert und die Kontrolle vor dem Einlass entspannt.
In der barrierefreien Zone befinden sich ein Essens- und Getränkestand sowie Toiletten in unmittelbarer Nähe der Sitzplätze. Vor dem Spiel ließen wir uns eine sehr leckere Stadionwurst und ein Bier schmecken und suchten anschließend unsere Plätze auf.
Es war nun etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn – also genug Zeit, die Atmosphäre sowie die sich aufbauende Spannung und Stimmung aufzusaugen. Wir saßen an der Eckfahne und ganz in der Nähe der legendären Südtribüne, der Gelben Wand, auf der 25.000 Menschen stehen und dem BVB zujubeln. Diese Kraft, die von der Südtribüne ausgeht, ist einfach sehr beeindruckend und faszinierte mich schon vor dem Spiel. Leider kommen die Ultras der Süd nicht zu einem solchen Event. Mit ihnen ist der Support garantiert noch einmal kraftvoller.
Wir waren von Bayern-Fans umgeben und lauschten den Mannschaftsaufstellungen sowie dem in Dortmund obligatorischen „Heja BVB“, gefolgt von der Hymne „You’ll Never Walk Alone“. Das allein sind schon zwei Gänsehautmomente.
Vor dem Spiel hat man außerdem die Möglichkeit, einen Empfänger und Kopfhörer für die Audiobeschreibung des Spiels zu bekommen. Davon machte auch ich Gebrauch. Leider funktionierte der Audiokommentar bei mir – wie auch bei allen anderen – während des gesamten Spiels nicht.
Glück für mich. Denn ich hatte meinen persönlichen Audiokommentator Frank an meiner Seite, der seine Sache wirklich sehr gut gemacht hat. Er konnte mir nicht nur das Wesentliche des Spiels beschreiben, sondern auch alle ballführenden Spieler nennen. Allein das war für mich schon ein echtes Highlight des Spiels, das die Bayern am Ende verdient mit 2:1 gewannen.
Wenn man als blinder Fußballfan in ein Stadion geht, braucht man jemanden, auf den man sich voll und ganz verlassen kann. Ich muss sagen, mein Freund Frank hat das wirklich hervorragend gemacht.
So ging ein für mich ganz besonderer Fußballtag zu Ende – mit vielen Eindrücken, einer beeindruckenden Atmosphäre und vor allem zwei Erlebnissen, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Fanclub-Treffen 2026: Die Sehhunde zu Gast auf dem DFB-Campus
[12. Juli 2026] Vom 10. bis 12. Juli 2026 fand das 34. Jahrestreffen der Sehhunde in Frankfurt am Main statt. Während die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko in ihre entscheidende Phase ging, kamen zwölf sehbehinderte Fußballfans aus verschiedenen Teilen Deutschlands einschließlich eines Mitglieds aus Wien in Frankfurt zusammen. Drei Tage standen ganz im Zeichen von Begegnung, Gemeinschaft und unserer gemeinsamen Leidenschaft für den Fußball.

Dass Fußballbegeisterung über Vereinsfarben hinweg verbindet, zeigte sich schon beim Ankommen am Freitagnachmittag im Crowne Plaza Frankfurt. Fans unterschiedlichster Vereine kamen zusammen – darunter Anhänger von Schalke 04 und Borussia Dortmund, des 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und des 1. FC Nürnberg. Rivalität durfte für ein Wochenende gerne auf dem Platz bleiben. Stattdessen standen das Wiedersehen, gegenseitiges Kennenlernen, viele Gespräche und vor allem das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt.
Besondere Einblicke in die Welt des DFB
Am Samstag wartete mit einer Führung über den DFB-Campus eines der Highlights des Wochenendes auf uns. Schon beim Rundgang über das weitläufige Gelände wurde deutlich, wie vielfältig die Trainingsmöglichkeiten auf dem Campus sind. Von Kunst-, Natur- und Hybridrasenplätzen bis hin zum Beachsoccerfeld erhielten wir spannende Einblicke in die Trainingsbedingungen der deutschen Nationalmannschaften.
In der Kunstrasenhalle durften wir anschließend selbst sportlich aktiv werden und eine Runde Blindenfußball spielen. Danach wurde Fußballgeschichte für uns im wahrsten Sinne des Wortes greifbar: Unsere Mitglieder durften unter anderem original getragene Fußballschuhe von Oliver Kahn aus dem Jahr der Heim-WM 2006 und von Kai Havertz aus dem Jahr der Heim-EM 2024 in den Händen halten. Mit letzteren erzielte Havertz bei diesem Turnier zwei Treffer – darunter per Elfmeter das wichtige 1:0 im Achtelfinale gegen Dänemark.
Auch im Pressekonferenzraum ging es auf eine kleine Reise durch die deutsche Fußballgeschichte. Ausschnitte aus früheren Pressekonferenzen ließen besondere und zum Teil legendäre Momente wieder lebendig werden – darunter Auftritte von Rudi Völler und Jürgen Klopp. Für einen Augenblick selbst dort zu sitzen, wo sonst Bundestrainer, Nationalspielerinnen und Nationalspieler den Fragen der Medien Rede und Antwort stehen, sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre.

Zum Abschluss wartete noch ein Moment, der wohl das Herz jedes Fußballfans höherschlagen lässt. Neben historischen offiziellen Spielbällen durften wir die Meisterschale aus nächster Nähe erleben und sogar selbst anfassen. Da lag die Vorstellung natürlich nahe, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn der eigene Verein die Schale am Ende einer Bundesliga-Saison in die Höhe stemmen dürfte. Bei der Antwort darauf gingen die Meinungen angesichts unserer unterschiedlichen Vereinsfarben vermutlich auseinander, bei der Begeisterung für den besonderen Moment waren wir uns aber einig.
Ein besonderer Besuch von Knut Kircher
Neben dem gemeinsamen Programm blieb während des Wochenendes immer wieder Zeit für Gespräche, Wiedersehen und neue Begegnungen. Genau das macht die Jahrestreffen der Sehhunde aus: Menschen aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Vereinsfarben kommen zusammen, weil sie die Begeisterung für den Fußball verbindet – und weil aus vielen dieser Begegnungen längst Freundschaften entstanden sind.
Zum festen Bestandteil des Jahrestreffens gehört auch unsere Mitgliederversammlung. Dabei blickten wir auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück und tauschten uns über kommende Aufgaben und Veranstaltungen des Fanclubs aus.
Am Nachmittag erwartete uns mit dem Besuch des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Knut Kircher ein weiterer besonderer Programmpunkt. Kircher zeigte sich von Beginn an bodenständig und nahbar, begrüßte jedes Mitglied persönlich und nahm sich ausführlich Zeit für unsere Fragen.
Schnell entwickelte sich ein lebendiger Austausch über den Alltag eines Bundesliga-Schiedsrichters. Kircher berichtete von besonderen Situationen aus seiner Karriere und erzählte zahlreiche Anekdoten aus vielen Jahren auf den Fußballplätzen. Natürlich ging es auch um aktuelle Regelauslegungen bei der Fußball-Weltmeisterschaft und darum, welche davon in der kommenden Bundesliga-Saison eine Rolle spielen könnten.
Besonders interessant wurde es, als es um die Ausrüstung eines Schiedsrichters ging. Über die Blindenreportage im Stadion oder Übertragungen im Radio haben viele unserer Mitglieder schon häufig gehört, wie ein Schiedsrichter mit seinen Assistenten kommuniziert oder beim VAR-Check die Hand ans Ohr führt. Bei unserem Treffen konnten wir das dafür verwendete Headset einmal selbst aus nächster Nähe kennenlernen und ertasten. Dabei wurde uns auch bewusst, wie viel Equipment über ein Headset hinaus zur Ausrüstung eines Schiedsrichters heutzutage dazugehört.

Frankfurt zum Abschluss
Am Sonntag lernten wir zum Abschluss des Wochenendes noch eine andere Seite Frankfurts kennen. Bei einer Stadtführung durch die Innenstadt führte unser Weg unter anderem zur Paulskirche und rund um den Römer. Dabei erhielten wir einen Eindruck von der Geschichte und dem historischen Stadtkern der Mainmetropole.
Nach drei gemeinsamen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen. Zurück bleiben viele neue Erinnerungen, spannende Fußballgeschichten und vor allem die vielen Begegnungen, die unser Jahrestreffen jedes Jahr aufs Neue besonders machen. Denn bei allen unterschiedlichen Vereinsfarben gibt es etwas, das uns Sehhunde verbindet: die Leidenschaft für den Fußball und die Freude daran, sie gemeinsam zu erleben.
Und so begann spätestens auf der Heimreise bereits die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.
Abschließend möchten wir uns herzlich bei allen Beteiligten für die Organisation und Durchführung dieses spannenden Wochenendes bedanken. Dazu gehören
- die DFB-Stiftung Sepp-Herberger im Rahmen der Blindenfußball-Einheit,
- dem DFB-Archiv für die Bereitstellung der unterschiedlichen historischen Exponate,
- die beiden Blindenreporter Dorian und Franziska, die uns die Führung über den Campus bildlich beschrieben haben,
- dem DFB selbst
- und Knut Kircher, der uns mit viel Zeit und Offenheit begegnet ist.
Danke, dass ihr mit Kreativität und Engagement ein inklusives Erlebnis ermöglicht habt.
