Blindenreportage: das Spiel mit den Ohren sehen
Leidenschaft, unbändige Freude und Enttäuschung nach einer Niederlage – diese Emotionen vereinen alle Fußballfans. Damit sehbehinderte und blinde Fußballfans dem Spiel auf dem Rasen folgen und dem Fußball in all seinen Facetten genießen können, benötigen Sie eine Blindenreportage.
Die Blindenreportage ist eine objektive, neutrale Beschreibung des Geschehens auf dem Rasen. Reporter:innen beschreiben sehbehinderten Fans in der Regel über Kopfhörer die Spielsituation, die Aktionen der Spieler, die Stimmung auf dem Platz, die Bewegungen und die Reaktionen der Mannschaften sowie wichtige Details wie Torerfolge, Fouls oder taktische Spielzüge. Das Ziel ist, den Zuhörenden ein detailreiches und lebendiges Bild des Spiels zu vermitteln, sodass sie das Geschehen im Stadion oder auf dem Platz fast so erleben können, als würden sie selbst zuschauen. Kurz gesagt: Die Blindenreportage öffnet sehbehinderten und blinden Fans die Tür zum Fußball.
Aus unserer Sicht sollte eine qualitativ hochwertige Blindenreportage folgende Kriterien erfüllen:
- Verortung: die Verortung ist das A und O! In welche Richtung spielen die Mannschaften? Wo befindet sich der Spieler? Wie weit ist der Spieler noch vom Tor entfernt? Angaben zum Ort auf dem Platz sind notwendig, um sich das Spielgeschehen vor dem geistigen Auge vorstellen zu können.
- detailreich: Die Reportage sollte die Spielsituation klar und so umfassend wie möglich beschreiben, einschließlich Aktionen und Bewegungen sowie Richtungen der Spieler:innen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Reportage sind Spielzüge und taktische Einordnungen.
- Lebendige Sprache: Ein Fußballspiel lebt von Emotionen. Die Sprache sollte daher anschaulich, lebendig und verständlich sein, um das Geschehen möglichst dynamisch wiederzugeben.
- Wichtige Ereignisse hervorheben: Torerfolge, Fouls, Karten und andere entscheidende Momente sollten besonders betont werden.
- Timing auf Ballhöhe: Die Beschreibungen sollten zeitnah zum Spielgeschehen – also auf »Ballhöhe« – erfolgen, um die Spannung und den Spielfluss sicherzustellen.
- Lückenlos: Eine Blindenreportage muss niemals perfekt sein, aber pausen sind zu vermeiden. Wenn die Reporter:innen schweigen, ist es für sehbehinderte Fans so, als würden sehenden Fans die Augen zu gehalten.
- Objektivität und Neutralität: Die Reporter:innen sollten das Spielgeschehen überwiegend objektiv beschreiben, um eine faire und ausgewogene Berichterstattung zu gewährleisten. Emotionen in der Reportage sind dennoch selbstverständlich erwünscht.
- Aktiv statt passiv: Fußball ist ein aktiver Sport. Das Spiel und die einzelnen Handlungen lassen sich am besten im Aktiv beschreiben. Also s wird nicht Fußball gespielt, sondern Deutschland spielt gegen Frankreich.
- Gute Vorbereitung: Je besser die Reporter:innen sich vorab informiert haben, desto leichter fällt Ihnen die Blindenreportage. Dazu gehört Wissen zum Beispiel über die Spieler:innen, die Mannschaften, die sportliche Ausgangslage und zum Wettbewerb. Sehbehinderten und blinden Fans hilft diese Einordnung.
Eine Blindenreportage lässt sich auch wie folgt auf den Punkt bringen:
Das Fußballspiel ist wie ein Buch. Und jeder Pass, jeder Freistoß, jede Ecke, jeder Abstoß ist ein Satz aus diesem Buch. Und das muss man vorlesen. Und da möchte ich, dass man das so vorliest, wie es ist. Da kann man gerne einen Krimi draus machen, da freue ich mich drauf. Aber bitte kein Märchen. (Gerhard Stoll)
