Fanclub-Treffen 2026: Die Sehhunde zu Gast auf dem DFB-Campus
[12. Juli 2026] Vom 10. bis 12. Juli 2026 fand das 34. Jahrestreffen der Sehhunde in Frankfurt am Main statt. Während die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko in ihre entscheidende Phase ging, kamen zwölf sehbehinderte Fußballfans aus verschiedenen Teilen Deutschlands einschließlich eines Mitglieds aus Wien in Frankfurt zusammen. Drei Tage standen ganz im Zeichen von Begegnung, Gemeinschaft und unserer gemeinsamen Leidenschaft für den Fußball.

Dass Fußballbegeisterung über Vereinsfarben hinweg verbindet, zeigte sich schon beim Ankommen am Freitagnachmittag im Crowne Plaza Frankfurt. Fans unterschiedlichster Vereine kamen zusammen – darunter Anhänger von Schalke 04 und Borussia Dortmund, des 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und des 1. FC Nürnberg. Rivalität durfte für ein Wochenende gerne auf dem Platz bleiben. Stattdessen standen das Wiedersehen, gegenseitiges Kennenlernen, viele Gespräche und vor allem das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt.
Besondere Einblicke in die Welt des DFB
Am Samstag wartete mit einer Führung über den DFB-Campus eines der Highlights des Wochenendes auf uns. Schon beim Rundgang über das weitläufige Gelände wurde deutlich, wie vielfältig die Trainingsmöglichkeiten auf dem Campus sind. Von Kunst-, Natur- und Hybridrasenplätzen bis hin zum Beachsoccerfeld erhielten wir spannende Einblicke in die Trainingsbedingungen der deutschen Nationalmannschaften.
In der Kunstrasenhalle durften wir anschließend selbst sportlich aktiv werden und eine Runde Blindenfußball spielen. Danach wurde Fußballgeschichte für uns im wahrsten Sinne des Wortes greifbar: Unsere Mitglieder durften unter anderem original getragene Fußballschuhe von Oliver Kahn aus dem Jahr der Heim-WM 2006 und von Kai Havertz aus dem Jahr der Heim-EM 2024 in den Händen halten. Mit letzteren erzielte Havertz bei diesem Turnier zwei Treffer – darunter per Elfmeter das wichtige 1:0 im Achtelfinale gegen Dänemark.
Auch im Pressekonferenzraum ging es auf eine kleine Reise durch die deutsche Fußballgeschichte. Ausschnitte aus früheren Pressekonferenzen ließen besondere und zum Teil legendäre Momente wieder lebendig werden – darunter Auftritte von Rudi Völler und Jürgen Klopp. Für einen Augenblick selbst dort zu sitzen, wo sonst Bundestrainer, Nationalspielerinnen und Nationalspieler den Fragen der Medien Rede und Antwort stehen, sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre.

Zum Abschluss wartete noch ein Moment, der wohl das Herz jedes Fußballfans höherschlagen lässt. Neben historischen offiziellen Spielbällen durften wir die Meisterschale aus nächster Nähe erleben und sogar selbst anfassen. Da lag die Vorstellung natürlich nahe, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn der eigene Verein die Schale am Ende einer Bundesliga-Saison in die Höhe stemmen dürfte. Bei der Antwort darauf gingen die Meinungen angesichts unserer unterschiedlichen Vereinsfarben vermutlich auseinander, bei der Begeisterung für den besonderen Moment waren wir uns aber einig.
Ein besonderer Besuch von Knut Kircher
Neben dem gemeinsamen Programm blieb während des Wochenendes immer wieder Zeit für Gespräche, Wiedersehen und neue Begegnungen. Genau das macht die Jahrestreffen der Sehhunde aus: Menschen aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Vereinsfarben kommen zusammen, weil sie die Begeisterung für den Fußball verbindet – und weil aus vielen dieser Begegnungen längst Freundschaften entstanden sind.
Zum festen Bestandteil des Jahrestreffens gehört auch unsere Mitgliederversammlung. Dabei blickten wir auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück und tauschten uns über kommende Aufgaben und Veranstaltungen des Fanclubs aus.
Am Nachmittag erwartete uns mit dem Besuch des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters Knut Kircher ein weiterer besonderer Programmpunkt. Kircher zeigte sich von Beginn an bodenständig und nahbar, begrüßte jedes Mitglied persönlich und nahm sich ausführlich Zeit für unsere Fragen.
Schnell entwickelte sich ein lebendiger Austausch über den Alltag eines Bundesliga-Schiedsrichters. Kircher berichtete von besonderen Situationen aus seiner Karriere und erzählte zahlreiche Anekdoten aus vielen Jahren auf den Fußballplätzen. Natürlich ging es auch um aktuelle Regelauslegungen bei der Fußball-Weltmeisterschaft und darum, welche davon in der kommenden Bundesliga-Saison eine Rolle spielen könnten.
Besonders interessant wurde es, als es um die Ausrüstung eines Schiedsrichters ging. Über die Blindenreportage im Stadion oder Übertragungen im Radio haben viele unserer Mitglieder schon häufig gehört, wie ein Schiedsrichter mit seinen Assistenten kommuniziert oder beim VAR-Check die Hand ans Ohr führt. Bei unserem Treffen konnten wir das dafür verwendete Headset einmal selbst aus nächster Nähe kennenlernen und ertasten. Dabei wurde uns auch bewusst, wie viel Equipment über ein Headset hinaus zur Ausrüstung eines Schiedsrichters heutzutage dazugehört.

Frankfurt zum Abschluss
Am Sonntag lernten wir zum Abschluss des Wochenendes noch eine andere Seite Frankfurts kennen. Bei einer Stadtführung durch die Innenstadt führte unser Weg unter anderem zur Paulskirche und rund um den Römer. Dabei erhielten wir einen Eindruck von der Geschichte und dem historischen Stadtkern der Mainmetropole.
Nach drei gemeinsamen Tagen hieß es schließlich Abschied nehmen. Zurück bleiben viele neue Erinnerungen, spannende Fußballgeschichten und vor allem die vielen Begegnungen, die unser Jahrestreffen jedes Jahr aufs Neue besonders machen. Denn bei allen unterschiedlichen Vereinsfarben gibt es etwas, das uns Sehhunde verbindet: die Leidenschaft für den Fußball und die Freude daran, sie gemeinsam zu erleben.
Und so begann spätestens auf der Heimreise bereits die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.
Abschließend möchten wir uns herzlich bei allen Beteiligten für die Organisation und Durchführung dieses spannenden Wochenendes bedanken. Dazu gehören
- die DFB-Stiftung Sepp-Herberger im Rahmen der Blindenfußball-Einheit,
- dem DFB-Archiv für die Bereitstellung der unterschiedlichen historischen Exponate,
- die beiden Blindenreporter Dorian und Franziska, die uns die Führung über den Campus bildlich beschrieben haben,
- dem DFB selbst
- und Knut Kircher, der uns mit viel Zeit und Offenheit begegnet ist.
Danke, dass ihr mit Kreativität und Engagement ein inklusives Erlebnis ermöglicht habt.
