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Ein Ausflug in die Hölle (März 2019)

Mitglieder des Fanclub Sehhunde im Stadion des FC. St. Pauli.

[Holger Hoheisel] Der Fanclub Sehhunde – Fussball-Fanclub für Blinde und Sehbehinderte e.V. – war zu Gast beim FC St. Pauli in Hamburg. Das Wochenende vom 22.3. bis 24.3.2019 war geprägt von vielen Informationen und einem intensiven Austausch. Zur Begrüßung im Museum des FC St. Pauli im Millerntorstadion gab es eine Übersicht der Vereinsgeschichte. Das Besondere an dem 1910 gegründeten Fußballverein ist der in den 1980er Jahren vollzogene Wandel von einem recht normalen Verein hin zu dem heutigen Image des linken Kietzclubs. Der FC St. Pauli zeichnet sich nach eigenen Aussagen durch die unterschiedslose Akzeptanz aller Menschen aus, hauptsache sie gehen respektvoll miteinander um. Minderheiten sind daher nicht nur willkommen, sondern sollen vorbehaltslos in die Vereins- und Fanszene eingebunden werden. Ideale Voraussetzungen damit auch für die blinden und seheingeschränkten Teilnehmer des Fanclubtreffens der Sehhunde, sich beim FC St. Pauli sehr wohl zu fühlen.

WELCOME TO HELLBei der Stadionführung durchschritten die Sehhunde das Tor zur Hölle. Hinter dem mit »Welcome to Hell« überschriebenen Tor befinden sich die Kabinenbereiche.

Beeindruckend war vor allem der als dreidimensionaler Totenkopf gestaltete Spielertunnel, den die Mannschaften auf dem Weg zum Fußballfeld vor jedem Spiel durchschreiten müssen. Untermalt von der AC/DC Hymne »Hells Bells« wird so versucht, den Auswärtsteams das Fürchten zu lehren.

Separé beim FC St. PauliDoch auch ein Club wie St. Pauli kommt nicht ganz ohne Commerz aus. Die als Separé bezeichneten – vielleicht auch ein wenig begrifflich getarnten – Launches stehen wie bei anderen Vereinen auch Exklusiv gegen ein ordentliches Honorar den Launchinhabern zur Verfügung. Die Separés sind zum Tein von den Launchinhabern sehr aufwändig gestaltet. Durch diese sehr fantasievollen Gestaltungen wird ein wenig eine Brücke zwischen Kult und Commerz geschlagen.

Ernster ging es dann bei der Diskussion um das Reizthema Pyrotechnik im Stadion zu. Allgemein wird derzeit viel über das Thema geschrieben und geredet. Vor allem in Hamburg sorgte das Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV in diesem Zusammenhang für viel Diskussionsstoff. Die sehr offen geführte Diskusion zwischen den Sehhunden untereinander und mit Vertretern des FC St. Pauli hatte vor allem auch das Ziel, die Gefahren von Pyrotechnik für Seheingeschränkte und Blinde Menschen besser einschätzbar zu machen. Das Meinungsbild zum Thema Pyrotechnik blieb zwar heterogen unter den Sehhunden. Am Ende hatte aber jeder ein konkreteres Bild über die Pyrotechnik selbst und das davon ausgehende Gefahrenpotenzial für die Zuschauer. Der eine oder die andere wird den nächsten Stadionbesuch bestimmt etwas gelassener erleben, wenn wiedermal Pyrotechnik im Stadion zum Einsatz kommt.

Eine Stipvisiete beim Club an der Alster brachte Einblicke in die Sportarten Hockey, Tennis und Beachvolleyball. Die Arena des Clubs war beeindruckend, da der Center Court von Größe und Ästhetik gut mit kleineren Fußballstadien mithalten kann.

Diskutiert wurde unter anderem, ob auch andere Sportarten mit sogenannten Blindenreportagen begleitet werden können. Damit wird blinden und seheingeschränkten Menschen nicht nur der Zugang zu diesen Sportarten erleichtert, sondern durch diese Reportagen werden die Stadionbesuche zu einem echten Erlebnis für diese Zielgruppe.

Zu guter letzt durfte auch die Vereinsarbeit nicht zu Kurz kommen. Für diesen Teil der Veranstaltung wurden den Sehhunden wieder Räumlichkeiten im Millerntorstadion vom FC St. Pauli zur Verfügung gestellt.

Philipp Dienberg stellte das Projekt T_Ohr vor. T_OHR ist die Kurzbezeichnung für das Zentrum für Sehbehinderten- und Blindenreportage in Gesellschaft und Sport. Ein Anliegen von T_OHR ist die Ausweitung der vorhandenen Expertise der Sehbehinderten- und Blindenreportage aus dem Fußballkontext auf weite Teile der Gesellschaft und auf andere Sportarten. Damit werden Menschen mit Sehbeeinträchtigung ein barrierefreier Zugang sowie Teilhabe an sport- und kulturgesellschaftlichen Angeboten ermöglicht. Philipp Dienberg berichtete über den Stand des Projekts, eine modulare Zertifikatsreihe für Blindenreporter*innen zu entwickeln. Mit dieser Zertifizierung soll die Qualität der Blindenreportagen weiter erhöht und verbreitet werden. Ein Ziel also, welches den Anliegen und Ansprüchen der Sehhunde voll entspricht.

Die Mitgliederversammlung des Fanclub Sehhunde; Fussball-Fanclub für Blinde und Sehbehinderte e.V. war geprägt von Wahlen. So wurde der Vorstand bestehend aus Regina Hillmann (1. Vorsitzende), Nina Schweppe (2. Vorsitzende) und Udo Hartmann (Schatzmeister) ohne Gegenstimmen wiedergewählt.

Ein sehr gelungenes Wochenende mit viel Information und Miteinander. Ein herzlicher Dank von den Sehhunden richtet sich an die Gastfreundschaft des FC St. Pauli. Das Leitmotiv des respektvollen Umgangs miteinander ist auch dem Fanclub Sehhunhde zu eigen, da hier Fans aus unterschiedlichen Vereinen zusammengeschlossen sind. So verlief auch dieses intensive Wochenende in einem respektvollen und freunschaftlichen Miteinander.

Autor: Holger Hoheisel, Ockershäuser Allee 24a, 35037 Marburg, Telefon 0175 / 11 17 01 37.


Blindenreportage jetzt auch beim FC Erzgebirge Aue

[1.5.2017] Seit dem 21.8.2016 gibt es jetzt auch beim FC Erzgebirge Aue eine spezielle Spielreportage für blinde und sehbehinderte Fußballfans. Die Anschaffung der Anlage wurde durch die Aktion Mensch gefördert. Herr Hambeck, der Behindertenfanbeauftragte teilt dazu Folgendes mit: Zurzeit gibt es zehn Empfänger mit Kopfhörer. Kontakt zu Herrn Hambeck: fanbeauftragte@fc-erzgebirge.de oder telefonisch unter 0157 / 29 65 99 3. Ticketbestellungen sind unter 03771 / 59 82 30 oder per E-Mail unter ticketservice@fc-erzgebirge.de möglich.


Inklusives Stadionerlebnis

[16.4.2016] Unser Mitglied Gerhard Stoll wurde beim Spiel Bayer 04 gegen Borussia Mönchengladbach (5:0) am 12.12.2015 ab Hauptbahnhof Köln von einer Kamera begleitet. Zu sehen ist, wie er in den Zug einsteigt und in die Leverkusener BayArena geht. Im Stadion kommen auch die Blindenreporter zu Wort. Dieser Film wurde am 2.3.2016 beim Heimspiel Bayer 04 gegen Werder Bremen (1:4) gezeigt. Bei dieser Gelegenheit wurde zahlreichen Pressevertretern die Möglichkeit geboten, die Blindenreportage selbst mitzuerleben. Besonders beliebt waren die Dunkelbrillen, die man sich aufsetzen konnte, um das Spiel als blinder Zuschauer zu verfolgen. Der Leiter des »Sehbehinderten- und Blindenreportage Zentrum der AWO« in Aachen, Björn Naß, stellte die Homepage Fußball-Blinden-Reportage – http://www.fussball-blinden-reportage.de – vor. Dort kann man sich allgemein über »Blindenreportagen« informieren. Unter dem folgenden Link ist der Bericht der Aktion Mensch so wie das Video mit Audiodeskription und Untertiteln zu sehen: https://www.aktion-mensch.de/blog/beitraege/inklusives-stadionerlebnis.html?id=1182.


Bericht über das Clubtreffen des Fanclubs Sehhunde e.V. vom 26.–28. Februar 2016 in Köln

Zu Gast beim Clubtreffen in Köln 2016: Der Vizepräsident des 1. FC Köln, Toni Schuhmacher, die 1. Vorsitzende, Regina Hillmann rechts und die 2. Vorsitzende, Nina Schweppe links[19.3.2016, Klaus Berling] Zu Gast beim Clubtreffen in Köln 2016: Der Vizepräsident des 1. FC Köln, Toni Schuhmacher, die 1. Vorsitzende, Regina Hillmann rechts und die 2. Vorsitzende, Nina Schweppe links. Foto Udo Hartmann (privat). Wie in jedem Jahr, fand auch im Jahr 2016 das Clubtreffen des Fanclubs Sehhunde e.V., Fußballfanclub für Blinde und Sehbehinderte statt. An dem Treffen nahmen dieses Mal 13 Mitglieder teil. Wir trafen uns vom 26.–28.2.2016 in Köln. Auch dieses Mal wurde unser Vorstand bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung unterstützt. Unser Dank geht an den 1. FC Köln, an das Sozialpädagogische Fanprojekt, das Fanprojekt 1. FC Köln 1991 E.V. sowie das Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.

Wir trafen uns am Freitag, dem 26.2.2016 gegen 16 Uhr am Kölner Hauptbahnhof. Wer schon mit der Bahn gefahren ist weiß, dass dabei oft nicht alles reibungslos vonstatten geht. Schließlich waren jedoch alle glücklich beisammen. Wir gingen zum Dorint Hotel, unserem Quartier an diesem Wochenende. Um 17 Uhr trafen wir uns dort in der Halle und machten uns auf dem Weg zum Rhein-Energie-Stadion, um das Spiel des 1. FC Köln gegen die Berliner Hertha zu sehen. Vorher wollten wir in einem Restaurant in der Nähe noch etwas essen. Das taten wir auch, allerdings mit einiger Verzögerung. Die Bedienung ließ extrem zu wünschen übrig und wir fürchteten schon, dass zumindest einige von uns hungrig zum Spiel würden gehen müssen. Letztlich wurden aber noch alle satt. Die gute Stimmung hatte dadurch nicht gelitten und wir zogen gut gelaunt ins Stadion ein. Das Spiel war eins der schwächeren Bundesligaspiele und für die meisten von uns war das Ergebnis von 0:1 sehr enttäuschend, da sie FC-Fans sind bzw. in diesem Spiel dem FC die Daumen drückten. Kopf hoch, der FC spielt eine gute Saison und wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Nach dem Spiel ging es zurück ins Hotel, wo einige von uns den Tag noch mit einem kühlen Getränk in der Bar ausklingen ließen. Der Samstag begann gegen 8 Uhr mit einem leckeren Frühstück. Danach ging es zum Karnevalsmuseum, Hier trafen wir unseren ersten Gast. Toni Schumacher, heute Vizepräsident des 1. FC Köln, ist vielen sicherlich noch aus seiner aktiven Zeit als Torwart und auch durch sein Buch „Anpfiff“ bekannt. In seiner lockeren Art plauderte er mit uns über seine aktive Zeit und auch über seine Ansichten zum heutigen Fußballgeschehen. Wir durften Fragen stellen, aber auch Schumacher zeigte sich an der Lebenssituation blinder und sehbehinderter Menschen sehr interessiert und stellte uns einige Fragen, die wir ihm natürlich gern beantworteten. Besonders eine sprechende Armbanduhr hatte es ihm angetan. Später gesellte sich auch Rainer Mendel zu uns, Fanbeauftragter des 1. FC Köln. Nach dieser sehr unterhaltsamen Runde wurde es etwas trocken. Unterbrochen von einer Mittagspause hielten wir unsere turnusmäßige Mitgliederversammlung ab, in der interne Dinge besprochen und Wahlen zum Vorstand und zu den Mitgliederbeauftragten durchgeführt wurden. Danach brauchten wir wieder etwas Auflockerung und bekamen diese durch Simon Gasper, den Kommandanten des Tanzchors der »Luftflotte«. Hierbei handelt es sich um eine Tanzgruppe der Kölner Karnevalsgesellschaft. Simon Gasper erzählte uns, wie er zum Kölner Karneval und zur Luftflotte gekommen war und berichtete über den Alltag seiner Gruppe. Dies war auch für Nicht-Karnevalisten sehr interessant, weil uns Begriffe wie »Session« ausführlich erklärt wurden. Gegen 16:30 Uhr ging es mit dem Bus zu den Räumlichkeiten des Sozialpädagogischen Fanprojekts. Hier unterhielten wir uns mit Alexander Daun und Carsten Blecher vom Sozialpädagogischen Fanprojekt sowie mit Jörg Stenzel von BiBeriS Bildung & Beratung im Sport über ihre Arbeit mit den Kölner Ultras. Auch hier konnten wir wieder Fragen stellen und es wurde über einige Dinge wie z. B. Pyrotechnik im Stadion lebhaft diskutiert. Direkt im Anschluss sahen wir die Sportschau, die doch einige überraschende Ergebnisse zu bieten hatte. Nach einem leckeren Abendessen bei einem lustigen Italiener ging es zurück ins Dorint. Am Sonntag fuhren wir nach dem Frühstück noch einmal ins Karnevalsmuseum. Bei einer sehr guten Führung erhielten wir Einblicke in die verschiedenen Epochen des Kölner Karnevals, von den Römern über das Mittelalter bis in die heutige Zeit. Dabei durften wir auch einige Masken und Kostüme abtasten. Den Abschluss bildete ein leckeres Mittagessen, bei dem noch einmal Anregungen und Kritik zur Veranstaltung geäußert werden konnten. Danach trennten sich für dieses Jahr unsere Wege. Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung. Neben den oben erwähnten Institutionen gilt unser Dank vor allem den Begleitern, die durch ihren großen Einsatz das Gelingen dieser Veranstaltung erst möglich gemacht haben. Auch gilt unser Dank unseren beiden Vorsitzenden, Regina Hillmann und Nina Schweppe, die wieder einmal mit viel Einsatz und Herzblut die Vorbereitung und Organisation in die Hände genommen haben. Hoffentlich werden wir noch viele so tolle Clubtreffen erleben wie in diesem Jahr.